Montag, 23. April 2018

Überraschungsgrausen

Wunderbarer Horror.


Herzliches Willkommen. Schockschwere Not. Schnappatmung - Alarm! Blinkende Verbotsliste. Liebevollster Empfang. Mein großgewordener, ältester Sohn. Das Kümmern aushalten. Die Liebe annehmen, egal wie. Mitmachen. Mein Kind retten. Mich retten.

Überraschungen...

... sind nicht so meins. Ich bin abhängig von entsprechender Vorbereitung. Insbesondere wenn es ums Essen geht (3 geplante Mahlzeiten zu festen Uhrzeiten) oder ums Wiegen (immer dienstags und freitags) oder um Sport (montags und mittwochs und manchmal samstags) oder oder oder. Ich funktioniere nur mit Standards, die ich einhalten muss. Sonst wird die Nahrungsaufnahme ruckzuck zur Gefahr, der Bedarf zu groß, reißen meine Halteseile. Natürlich bin ich im Laufe meiner Therapie-Jahre durchaus geübter geworden im Umgang mit Planänderungen, nach wie vor sind sie jedoch eine große Herausforderung für mich.

Sonntag, 15. April 2018

Schlüsselsätze: Trick 17

Beiläufig und unerkannt, doch so wesentlich.


Wie wichtige Worte scheinbar unendlich lange brauchen, um bei mir anzukommen. Heute kapiere ich, was mir vor ein paar Wochen mitgegeben wurde. Weiterlesen erneut auf eigene Gefahr.

Wie geht's, wie steht's?

Ganz gut soweit, danke. Und selbst? Schnell abgelenkt, ist besser so. Ich will ja nicht die ewig gleiche Leier erzählen. Und lügen möchte ich auch nicht. Und, es stimmt ja auch: Ganz gut soweit, danke. Ich habe allerdings viel mehr Interesse an der Antwort meines Gegenübers, als dass ich selbst erzählen möchte. Hinterher denke ich: Das war wieder ziemlich perfekt. Ich habe zwei Seiten; die eine ist richtig stark, die andere ist ganz und gar bedürftig. Die bedürftige Seite kann ich nicht ertragen, weil ich nicht weiß, wie ich ihr gerecht werden soll, wie ich sie füttern soll. Darum blende ich sie aus, verstecke sie durchaus. Darin bin ich richtig gut geworden in all' den Jahren. Ich habe mich hart gemacht. Mein Interesse am Außen ist echt, das erspart mir den Blick ins eigene Innen. Ganz gut soweit geht's mir also, danke sehr. 

Und dann krieg' ich das Kotzen.

Freitag, 30. März 2018

Auf dem (Frauenkreuz)Weg

Mitgestalten und Abladen


Wie mich Zufälle und Fügungen den Evangelischen Frauen in Württemberg nahe bringen und worin es (zunächst) mündet.

Abschied.

Die letzten beiden Wochen waren in meinen Gedanken und Gefühlen völlig überdeckt vom Tod meiner Freundin Kirsten. Dieser Verlust erscheint so ungerecht und fürchterlich, dass mir die Worte fehlen. Wie kann mein Herz nur derart unvorbereitet sein, obwohl der Verstand im Vorfeld Zeit genug fürs Begreifen hatte? Alles in mir wehrt sich gegen das Verstehen!

Entwicklung.

Letzten Sommer hatte ich ein Seminar besucht, dort Zeit zum inspirierenden Gespräch zwischen den Schulungsblöcken gefunden, Ideen gesponnen: Ich wollte mitmachen beim ökumenischen Frauenkreuzweg in Stuttgart. Ich war auf einen Zug aufgesprungen, der nun für mich viel zu schnell fuhr. Auf einmal werde ich gebeten zu liefern, muss mich nackig machen vor der Öffentlichkeit, bekomme Angst vor meinem eigenen (Über-)Mut.

Auf dem Frauenkreuzweg, auf dem Weg.

Und jetzt ist es wieder soweit, es wird Ostern. Völlig verdrängt, passt das Fest plötzlich zu mir und zu meiner Stimmung. Denn zunächst ist heute Karfreitag. Ich begebe mich also auf meinen ersten Frauenkreuzweg. Jesus ist am Kreuz gestorben, auch für mich. Auch für mich? Gar nicht so sattelfest im Glauben, habe ich viele Fragen. Ich fühle mich getragen von den Frauen und Männern um mich herum, von der Musik, so dass ich mich trauen kann, vorzutragen, was ich zu sagen habe. 

Hinterher.

Ich komme nach Hause, brauche zuvor den Cappuccino im Café und die Fahrt in der U-Bahn zum Sammeln und Nachdenken. Zwei Stunden zuhörend und schweigend Unterwegssein durch die Stadt mit Ziel und Abschluss in der Hospitalkirche hinterlassen Eindruck. Ich fühle mich sortierter, ruhiger. Ich glaube, ich habe eine ganze Menge Ballast in der Hospitalkirche gelassen. Mir kommen die Tränen, so Vieles ist abzuladen. Es ist nicht alles gut. Doch es wird Ostern, auch für mich.

Mein Vortragstext zum Nachlesen: Station 3, Essstörungen.

Ort: Marktplatz/Ecke Schulstraße

„Mama, toll, Du hast wieder Nutella gekauft!!“

Mittwoch, 28. März 2018

Abschied

Abschied - endgültig. Endgültig?


So endgültig.
Heute ist Mittwoch. Am Montag, also vorgestern, mussten wir Abschied nehmen von Kirsten. Vor 10 Tagen ist sie gestorben. Man sagt, ein Mensch erliegt seiner schweren Erkrankung. Man denkt, vielleicht ist es besser so: Jetzt muss sie nicht mehr leiden, nicht mehr kämpfen. In echt ist die Situation völlig irreal, surreal, ein furchtbar schlechter Traum, der mich nicht schlafen lässt. Wenn es mir so geht, wie mag es dann für ihren Mann wohl sein. Es ist kaum zum Aushalten. 
Trotz aller Vernunft im Kopf bleibt das Loch im Herz. 
Ich will versuchen es zu füllen mit Erinnerungen.

Dienstag, 6. März 2018

Pausen-Notiz

Danke!

Ich mache Blog-Pause.


Mit akuter Depression, Bulimie und massivem Tinnitus mache ich Pause vom Schreiben. Ich kläre die Dinge, die mich belasten. Der Alltag muss ja auch noch funktionieren. Dafür brauche ich meine gesamte Energie. Parallel arbeite ich an Texten für den Blog: Entscheidungen, Tagesstruktur, Ernährungsberatung, Therapie, neue-alte-neue Erkenntnisse. Es bleibt spannend. Bald mehr!

Montag, 26. Februar 2018

Nachtrag

Nochmal zurück zum: Zufriedensein


Wegekreuz.
Einige Gedanken zum Zufriedensein, diesmal explizit bezogen auf das Essen. Ich bin im Augenblick tatsächlich gar nicht heiter und beglückt, wenn es ums Essen geht. Sondern eher sehr verzweifelt, weil ich - heute wieder - an die Bulimie angedockt habe. Es passiert immer schneller, häufiger. Mehr denn je stehe ich am Wegekreuz: Zurück in alte Muster oder Weiterkämpfen. Fragezeichen. Beschreibung eines Essanfalls mit Ursachenforschung
Achtung: eklig.

Freitag, 23. Februar 2018

Reinfall

Auf ganzer Linie versagt.
Tatsächlich?


Nachtrag zum letzten post. Trotz aller Vorbereitung, trotz allen Durchhaltens während des Tages bin ich am Abend in die Falle getappt. Ein kurzes Nackigmachen. Ein kurzes Nachdenken über die Weisheit Viktor E. Frankls an der Tür zum Seminarraum.
 

Ich habe es heute nicht geschafft. Ich bin reingefallen.

So diszipliniert bin ich durch den Tag gegangen, es war auch gar nicht schwer: 3 gute, ausgewogene Mahlzeiten, keine Butter-Brezeln oder Kekse in den Kaffeepausen während des Seminars. Ein Erfolg auf ganzer Linie. Bis ich nach Hause kam. Mein Jüngster hatte Pfannkuchen gebacken und umfangreiche Reste produziert. Sehr süß, sehr zuckrig und sehr schokoladig. Obwohl ich ausreichend satt war, bin ich darüber hergefallen. Leider hatte ich zuvor bereits - als einzige Süßigkeit des Tages gedacht - vier Kekse und zwei Stücke Schokolade zum Nachtisch gegessen. Fatal. Ich war schon auf dem Süß-Trip. Also noch ein kleiner Pfannkuchen und noch einer und noch einer und... Mein Hirn setzt aus, ich schmecke nichts mehr, will nur noch mehr und mehr und mehr... Und lande vollgestopft auf dem Klo. Die Entscheidung war schon nach dem ersten Pfannkuchen gefallen. 

Zeit für eine Pause

Umbrüche. Abschiede. Ich ziehe mich zurück, der Blog macht Pause. Gründe dafür gibt es viele, der Wichtigste: Mit dem Essen komme ich zurech...