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Mittwoch, 25. März 2020

Essgestört. Gefangen mit Corona.

Für alle die, die genauso kämpfen wie ich.
An all' jene, die versuchen zu verstehen.

Nach einem für mich persönlich schwierigen Herbst und Winter ("Sie sind chronisch krank") und dem Aufrappeln ("Wochenend-Alltag auf Bulimisch") mit viel Willenskraft zu Beginn des frischen Jahres, hat die Welt nun Corona, besser: COVID-19 - das Coronavirus SARS-CoV-2, fest im Griff. Ich bin dankbar, dass meine Familie und ich sowie meine Herzensmenschen gesund sind, und ich bin außerdem ganz fest davon überzeugt, dass wir gemeinsam diese Krise bewältigen werden. Allerdings begleiten mich Tag für Tag nicht nur die virusbedingt notwendigen Einschränkungen, sondern auch meine eigene Geschichte. Und die geht bekanntlich so:

Kathrin. 45. Essgestört. Suchtkrank. Depressiv. Das bin ich.
Und jetzt auch noch im Gefängnis mit Corona.

Sonntag, 6. Januar 2019

Beichte

Viel (zu viel) E zu W.

Feuerstoß.

Advent, Weihnachten, Neujahr, Weihnachtsferien, Urlaub, Besuche, Verwandtschaft und Freunde, Lachen und Weinen, Essen, Kochen, Backen, Einkaufen, Fressen und Kotzen, Geschenke, Freudestrahlen. Alles wie immer. Alles anders. Irgendwie neu. Eine Situationsbeschreibung. Ein Tatsachenbericht, schonungslos.

Sonntag, 4. November 2018

Lichtblicke

Das Gute wahrnehmen.
Perspektiven.


Mir geht es gar nicht gut. Meine Fingernägel sind abgekaut, ich schlafe schlecht und viel, Anziehen und Zurechtmachen für den Tag fällt mir sehr schwer, am liebsten würde ich mich im Bett verstecken. Meine Familie leidet aus vielerlei Gründen. Die Dinge potenzieren sich. Und trotzdem finde ich Lichtblicke, die ich teilen möchte.

Sonntag, 23. September 2018

Neustart

Zurück auf Anfang

Neustart oder 'zurück auf Anfang'? Die Ferien sind vorüber, das schöne Wetter auch. Ich atme dankbar die regenreiche Luft. Die langen Monate der Hitze haben mich angestrengt: Zu viel Sonne, zu viele kurze Röcke und scheuernde Oberschenkel, zu viel Eis und Aperol Spritz, insgesamt zu viel zu tun. Ich starte neu, auch, indem ich zurück auf Anfang gehe.

Überwältigungen.

Ich höre auf meine innere Stimme.

Diese meldet sich durchaus. Und ganz häufig übergehe ich die Signale, weil ich sie nicht wahrnehmen will. Ich scheue nämlich die Auseinandersetzung, das weiß ich inzwischen. Lieber mag ich Harmonie - selbst wenn sie aufgesetzt oder herbei gelogen ist. Aber: Damit ist Schluss, ich will meine innere Stimme zumindest wahrnehmen, die Signale bewerten, abwägen, um dann für mich selbst entscheiden und auch einstehen zu können.

Donnerstag, 9. August 2018

Frei gelegt

Fest verinnerlichte Glaubenssätze.


Angriff. Explosiv.
Als Schreiberling suche ich mir Worte, um selbst zu begreifen, den tieferen Sinn zu entdecken. So legen, in der Retrospektive notiert, meine persönlichen Lebensschritte einen roten Faden frei: Ich stehe vor der Rebellion, vor einer Gefühlsexplosion nach bedürfnis-toten Jahren. Wenn ich offen und ehrlich bin, weiß ich, wo ich ungehorsam werden möchte. 

Donnerstag, 2. August 2018

Status Quo

Warten auf die Depression 


Warum ich in ambivalenter Habachtstellung bin und mir eine Depression herbeisehne.  

Status Quo 

Ich komme zurecht, gehe gerne zur Arbeit und freue mich dort über die Anerkennung und die vielfältigen Aufgaben, die inzwischen auf meinen Schreibtisch gelangen. Zurück zuhause, sorge ich für Mittagessen und kurze Rücksprache mit den Söhnen, die gerade da sind. Diese widmen sich anschließend ihren eigenen Dingen und organisieren sich selbst. Schließlich sind Ferien. Und ich? Ich gehe ins Bett, schlafe eine Weile – so ungefähr zwei Stunden – und werde dann nur unter Mühen wieder wach, von Tatkraft keine Spur. Die alltäglichen Hausarbeiten schaffe ich kaum, sie gehen mir nicht mehr leicht von der Hand, sondern werden zur Belastung. Vieles lasse ich unerledigt, jetzt bin ich echt faul. Völlig energielos. Wichtiges schiebe ich stetig vor mir her. Mein wunderbarer Therapeut sorgt sich wegen meiner Stagnation. Ich halte mich für mutlos, er nennt es willenlos.

Sonntag, 18. Februar 2018

Wahre Worte

Offen sein für Impulse


Ein Riesenfortschritt ist, dass ich wieder Bücher lesen kann: große, dicke Wälzer. Gerne Fachliteratur, am liebsten jedoch Krimis. Inhalte erschließen sich, ich muss Sätze nicht mehrfach lesen und verschlinge die Bücher regelrecht. So bleiben die Worte nicht leer, überall entdecke ich Neues, ganz nebenbei. In Zeiten meiner Depression, Angststörung und massiv praktizierter Essstörung ging diesbezüglich gar nichts. Ich atme auf. Und nehme wahr. Verstehe größere Zusammenhänge.

Wahre Worte in einem Kriminalroman 

Karin Slaughter, "Blutige Fesseln", Weltbild Verlag, 2016. Die Sprache liegt mir nicht, ich empfinde sie in Teilen als vulgär, platt, sexistisch, starke Geschlechterstereotypen widerstreben mir. Jedoch: Der plot ist phantastisch, überraschend, spannend, fesselnd, blutrünstig, auch gesellschaftskritisch. Und psychologisch interessant. Ein (langes) Zitat, S. 534, 1. Absatz:

"Du weißt, was ich meine", entgegnete Tessa. "Ich sehe dich vor mir, wie du ganz ganz stoisch und logisch bist und ihn glauben lässt, das Ganze sei eine Art mathematisches Problem mit einer Lösung x oder y, während du innerlich halb stirbst. Aber du schaffst es nicht, ihn das wissen zu lassen, weil du befürchtest, du könntest wie ein Ritterfräulein in Nöten wirken." Sie hielt inne, um Luft zu holen. "Schau, nichts ist falsch daran, ein Ritterfräulein zu sein. Es geht hier gar nicht um Mann oder Frau. Es geht um menschliche Bedürfnisse. Du kümmerst Dich gern um ihn. Du hast gern das Gefühl, gebraucht zu werden. Es ist keine Sünde, wenn du Will das Gleiche in Bezug auf dich zugestehst. (...) Du musst ihm zeigen, wie du dich fühlst."

Erkenntnis? 

Sogar, wenn ich Pause mache, d.h. Zeit zum Lesen habe, begleiten mich also meine Lebensfragen. Ich werde mit dem Kopf darauf gestoßen. "Du musst ihm zeigen, wie du dich fühlst." Dieser Satz lässt sich übertragen auf meinen Mann, auf Freunde, meine erweiterte Familie. Ich bin wieder offen für Impulse. Jetzt muss ich was draus machen. Ich weiß auch schon ungefähr, wie und was. Mir fehlt nur immer noch der Mut. Und das ist feige. Mist.

Montag, 5. Februar 2018

Blick über den Tellerrand II

So nah am Tod, so unendlich lebendig.


Warum ich erfüllt bin nach einem besonderen Wochenende. Über meine Flucht vor der Einsamkeit. Über erlebte Stunden der Freude, Demut und Dankbarkeit.

Fenster wohin?

Kathrin und die Spontaneität.

Zwei Vokabeln, die eigentlich nicht zusammen passen und auch nicht zusammen finden. Eigentlich. Am Freitag Abend jedoch habe ich liebe Freunde gesprochen und durfte sie - spontan - zu einem Auszeit-Wochenende in die Pfalz begleiten. Keine 12 Stunden nach der Entscheidung saß ich schon im Zug. Ich habe niemanden um Erlaubnis gefragt. Ich wollte das! Ich wollte weg, ich wollte meine Freunde endlich wieder sehen, Zeit mit ihnen verbringen.

Wundervolle Grenzerfahrung.

Über meine Freundin habe ich an anderer Stelle schon geschrieben. Sie ist sehr krank. Ihrer Überlebensprognose hat sie längst die Zunge rausgestreckt. Ich bin ihr und ihrem Mann das erste Mal seit der Diagnose begegnet. Ich war aufgeregt, wollte da sein für sie, aber nicht aufdringlich, Erzählungen aus meinem Leben mitbringen und die ihren hören, ich wollte sie jedoch nicht überrollen und wusste nicht, wieviel ich selbst verkraften kann. Es dauerte keine Sekunde, da waren alle meine Bedenken weggewischt. Meine Freunde haben sie weggewischt. Einfach durch ihr Wesen, durch ihren Umgang mit mir, mit sich selbst und miteinander. Eine wundervolle Grenzerfahrung eben.

Leben ist wertvoll.

Ich habe ganz viel Leben gespürt an diesem Wochenende, auch während der Schmerzattacke und mit all' den körperlichen Einschränkungen, die deutlich vorhanden sind. Schon sehr lange nicht mehr durfte ich so eine Wärme empfinden, so herzlich ehrlich und so viel lachen. Schöne, ernsthafte, intensive, bleibende Momente. Ich bin dankbar für ein geschenktes Wochenende voller Zeit und Ruhe und guter Gespräche. Für ein Wochenende ohne eigene Ängste, für Stunden des Zuhörens und Gehörtwerdens und des Dabeiseindürfens. Mit dieser Dankbarkeit und Demut angesichts der unvorstellbaren Kraft und Lebensenergie meiner Freundin und meines Freundes gehe ich in die neue Woche. Danke.

Nachtrag: Am 18. März 2018 ist Kirsten gestorben.

Sonntag, 17. Dezember 2017

So zerrissen - so normal?

Zer-spannt im chilligen Wochenende


Lange geplanter Ausflug mit der Familie, Übernachtungen in der Jugendherberge, Hoffnung auf Schnee, Packen für alle Wetter, Zusammentreffen mit der Verwandtschaft zur Geschenkeübergabe vor Weihnachten, viel Essen und Trinken, viel Nett-Sein, Programm für alle Beteiligten. Ich bin gestresst.

Immer extrem. Immer mit dem Kopf. Manchmal ohne Verstand.

Bei der Mühlenweihnacht.
Es wird ein schönes Wochenende. Viel Zeit mit den Kindern, aber auch mit meinen anderen Lieben. Natürlich keine Zeit für mich. Aber das passt. Ich bin fröhlich, lache viel, vergesse mein Leben, freue mich an der Leichtigkeit, an der Natur, am Winter-Wetter, an Ruhe und Trubel. Ich kann essen und der Kopf macht mit: Er steuert Appetit und Sättigung und auch mein Lachen. Setzt der Verstand aus, ist mir hinterher übel, ist der Magen zu voll. Ich fühle mich erleichtert, bereichert, fast schon extrem Irgendwas. Aber was ist davon echt, was ist Bauch und Gefühl, was ist Kopf und Verstand, was ist spontan, was ist geplant, was ist ausgehalten, was ist Theater, was ist ECHT? Ich weiß, dass ich echt froh bin, als es rum ist, unser Großfamilien-Wochenende. Und dass mir meine Schwester jetzt schon fehlt. Das muss ich ihr echt mal sagen.


Was ist schon normal.

In der Dauerschleife.
Vermutlich bin ich einfach durchgeknallt: Keine Beziehung zwischen Kopf und Bauch, zwischen Verstand und Gefühl. Irgendwann abgeschnitten in den 1980er-Jahren. Und seither nicht mehr wieder verbunden. Oder nie verbunden gewesen. Darum abhängig vom Außen, wie die Anderen mich sehen und was die wohl von mir denken - vor allem meine Eltern, meine Familie und all' die Leute, für die ich immer alles so toll hinkriege. Vielleicht weiß ich gar nicht, wer ich bin, was ich will, was meine eigenen Gefühle sind? Vielleicht ist es aber echt normal, sich diese Fragen zu stellen? Und wenn die Anspannung zu groß wird, kaue ich mir die Fingernägel-Reste auch noch ab, dann spüre ich mich ganz ECHT. Das ist vermutlich gar nicht normal. Ich bin zerrissen und angespannt. Doch wieder habe ich etwas geschafft!

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Die Tentakel der Magersucht

Körperlos Tränen essen


Die Tentakel der Magersucht greifen nach mir.

Edvard Munch: Der Schrei
Warum brauchen wir noch mehr? Warum sind Tränen nicht ausreichend? Ich habe aufgehört zu essen. Bin ich zu müde? Ist mir übel? Sind die elenden Kopfschmerzen der Grund? Etwas ist anders. Die Tentakel sind wieder da, die Tentakel der Magersucht greifen nach mir. Ich will sie abstreifen, aber ich schaffe es nicht. Will ich es wirklich? Janeinjanein. Dabei sehe ich doch genau was passiert. Mein Bauch ist flach, mein Kopf schmerzt. Seit Tagen habe ich fast nichts gegessen. Ich bin umschlungen und es ist kein schönes Gefühl. Trotzdem fühle ich mich leicht und stark, eine zutiefst herbeigesehnte Empfindung. Ich will schreien und bleibe doch still. Wer soll mich hören, wenn ich nicht Laut gebe bei denen, die mich lieben?

Am liebsten wäre ich körperlos. Meinen Körper los.

Ich verstehe ihn ja sowieso nicht: Kommen die Schmerzen im Unterleib von der Operation oder ist es der normale monatliche Verlauf? Bin ich wirklich müde oder stelle ich mich nur an? Habe ich schon abgenommen oder nicht? Die Hose schlackert zwar, aber im Spiegel bin ich rund wie stets. Habe ich nun Hunger oder was ist das? Der Appetit fehlt mir jedenfalls völlig, glaube ich zumindest. Wieviel einfacher wäre es doch, wenn mein Körper und ich nicht zusammengehörten.

Warum sind Tränen nicht ausreichend?

Ich stehe in der Küche und weine. Ich schaue in den Kühlschrank, zum Obst, zur Schokolade. Meine Söhne brauchen ein gutes Mittagessen. Aber ich bin wie gelähmt und weiß einfach nicht, wie es geht. Mir reichen meine Tränen, die nicht aufhören wollen zu laufen. Viel zu anstrengend, meine Gedanken zu sortieren, meine Arme und Hände zu steuern, Gemüse zu schneiden, Essensgerüche um mich zu haben. Was soll ich bloß tun. Ich hasse sie, die Tentakel, und heiße sie doch willkommen. Ich halte es kaum aus.
Die Angst schlägt zu und drückt mich nieder. Ich weiß nicht weiter.

Dienstag, 29. August 2017

Vernetzung!

Gefühle und Bedürfnisse mit Anderen teilen.

Ich habe eine Weile darauf herum gekaut: Was mache ich mit dem Themenfeld Beziehung-Freundschaft-Umfeld?

Es soll hier um Freundschaft gehen (gem. Duden "ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet"), wobei ich dem Punkt Vertrauen besondere Aufmerksamkeit widmen möchte.

Ebenso tendierte ich zur Bezeichnung Soziale Netzwerke (gem. Wikipdia "eine Beschreibung sozialer Interaktionen beliebigen Typs", wobei "ressourcenreiche Netzwerke mit einer hohen „supportiven Valenz“ Sicherheit und Gesundheit fördern"), doch hier stelle ich bei mir selbst eine sofortige Assoziation mit der digitalen Welt fest. Dies wäre mir zu eingeschränkt.

Bei meinen Recherchen stieß ich bei Wikipedia auf eine Definition von Vernetzung, die mir sehr gefällt: "Vernetzung ist ein Begriff aus der Systemtheorie. Ein System besteht aus einzelnen Teilen, die durch Ursache-Wirkungs-Beziehungen und allgemeine und besondere Systemeigenschaften miteinander vielfältig verknüpft sind. Bildhaft spricht man daher von einem Beziehungsnetz." 

Genau, hier soll es um Beziehungsnetze gehen!

Essgestörte Menschen leben so isoliert: Zum einen wollen sie sich ihrem Umfeld nicht zumuten, zum anderen lässt sich ihr Lebensrhythmus of nicht mit dem gängigen, allgemein gültigen Format anderer vereinbaren. Die Fixierung aufs Essen oder Nicht-Essen sowie ständiges Verstecken, Lügen und Ausredenerfinden greift massiv in Beziehungen ein, macht diese sogar fast unmöglich.

Hier soll es also um Beziehungsnetze gehen: Um Paar-Beziehungen, um Eltern-Kind-Beziehungen, um die Beziehung zur Ursprungsfamilie, um Freundschaften, um die Beziehung zu Gott oder einer anderen spirituellen Kraft. Ich bin überzeugt, dass Beziehungsnetze ganz schön viel aushalten können. Dass sie uns tragen können. Dass wir sie brauchen. Dass wir sie aber auch pflegen müssen. Dafür braucht es wiederum Mut, Vertrauen zu schenken und Offenheit zu lernen.
Und es soll um Mittel und Wege gehen, wie diese Beziehungen vielleicht und hoffentlich belebt werden können. 

Letzte Aktualisierung: Sonntag, 14.04.2019

Zeit für eine Pause

Umbrüche. Abschiede. Ich ziehe mich zurück, der Blog macht Pause. Gründe dafür gibt es viele, der Wichtigste: Mit dem Essen komme ich zurech...