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Sonntag, 23. Juni 2019

Ich bin...

... eine gute Tochter.

4 Tage lang war ich eine gute, liebe, aufmerksame, gastfreundliche, lustige Tochter, Bäckerin und Köchin. Jetzt bin ich völlig geschafft, brauche nur noch meine Ruhe und weine meinen Fingernägeln hinterher.

Sehnsucht nach den Enkeln.

Labyrinthisch.
Alles klar, alles gut. Die Großeltern wollen ihre Enkel besuchen. Das dürfen sie. Wir finden ein Wochenende, sie buchen ihr Hotelzimmer. Bei uns ist es zu trubelig; und ich muss sagen, dass mir das inzwischen auch sehr recht ist. Mehrfach bekommen wir zu hören, dass das Aufwachsen der Kinder ja völlig an ihnen vorbei gehe. Es gibt weitere Spitzen, das ist wohl völlig normal. Jedoch: Mein Vater gefällt mir jedes Jahr besser, meine Eltern gemeinsam sind wunderbar. Neben schönen Unternehmungen, Theater- und Stadtbesuchen gibt es viel Gelächter, freundliches Erzählen, gutes Essen.

Sonntag, 28. Oktober 2018

Schallgrenze

Ich.*

Diagnose: Adipöse Depression.


Mein Versuch, so normal zu leben wie mein Umfeld - gescheitert. Einfach laufen lassen - funktioniert nicht. Dabei wünsche ich mir nichts mehr, als ohne Gedanken an Essen und Figur den Tag zu verbringen. Statt dessen sehne ich schon morgens den Abend herbei und immer so weiter, verfluche jede Mahlzeit, alle Freude geht verloren. Es grüßt die Depression. Die Diagnose lautet: Adipositas. Schwarz auf weiß. Von der Ärztin bestätigt.*

Freitag, 19. Oktober 2018

Statusmeldung

So unendlich müde.

Schweres Leben.

Seit Wochen spüre ich, dass mir das Aufstehen schwerer fällt. Morgens starte ich noch gut, doch mittags schlafe ich sofort ein und komme nach 2 Stunden im Tiefschlaf nur unter Mühen wieder hoch. Den Wecker schalte ich gefühlte 20 mal auf stumm, denn ich weiß: 20 Minuten dösen wären besser für mich als 2 Stunden. Heute arbeite ich nachmittags und freue mich über den freien Vormittag. Doch ich habe ihn komplett verschlafen. Mir fehlt die Energie, mich dem Alltäglichen zu stellen. Warum das so ist? Versuch einer Statusmeldung mit Bestandsaufnahme.

Sonntag, 7. Oktober 2018

Fester Vorsatz

Ab Montag, aber ganz bestimmt ab Montag!


Mein Selbstbelüge.
In der Wiederholungsschlinge. Ich schaue in mich hinein, male und schreibe meine Gedanken auf. Beim Lesen erschrecke ich ob der Banalität meines Selbstbelügens. So bekannt, so oft gedacht, so häufig gelebt, so oft gescheitert. Auch schon häufig gesiegt, aber in der 'Ab Montag-Schlinge' stecken meine Gedanken noch immer fest, fest, fest.

Sonntag, 23. September 2018

Neustart

Zurück auf Anfang

Neustart oder 'zurück auf Anfang'? Die Ferien sind vorüber, das schöne Wetter auch. Ich atme dankbar die regenreiche Luft. Die langen Monate der Hitze haben mich angestrengt: Zu viel Sonne, zu viele kurze Röcke und scheuernde Oberschenkel, zu viel Eis und Aperol Spritz, insgesamt zu viel zu tun. Ich starte neu, auch, indem ich zurück auf Anfang gehe.

Überwältigungen.

Ich höre auf meine innere Stimme.

Diese meldet sich durchaus. Und ganz häufig übergehe ich die Signale, weil ich sie nicht wahrnehmen will. Ich scheue nämlich die Auseinandersetzung, das weiß ich inzwischen. Lieber mag ich Harmonie - selbst wenn sie aufgesetzt oder herbei gelogen ist. Aber: Damit ist Schluss, ich will meine innere Stimme zumindest wahrnehmen, die Signale bewerten, abwägen, um dann für mich selbst entscheiden und auch einstehen zu können.

Donnerstag, 9. August 2018

Frei gelegt

Fest verinnerlichte Glaubenssätze.


Angriff. Explosiv.
Als Schreiberling suche ich mir Worte, um selbst zu begreifen, den tieferen Sinn zu entdecken. So legen, in der Retrospektive notiert, meine persönlichen Lebensschritte einen roten Faden frei: Ich stehe vor der Rebellion, vor einer Gefühlsexplosion nach bedürfnis-toten Jahren. Wenn ich offen und ehrlich bin, weiß ich, wo ich ungehorsam werden möchte. 

Und jetzt?

Ätsch.

Rebellion konkret.


Wieder erfordert der voran gegangene post eine Ergänzung. Rebellion, was bedeutet das konkret? Es heißt für mich, in den Ungehorsam zu gehen, den Aufstand zu proben, ganz praktisch anders zu handeln als bisher. Möglichst, ohne andere dabei zu verletzen. Das allerdings ist unrealistisch.

Hier stehe ich nun.

Nach einer langen Phase der Verhaltensanalyse und Verhaltensänderung, die mein Leben gerettet hat, ist nun Raum, meine Gefühle und Bedürfnisse, meine Sehnsüchte und Wünsche zu entdecken. Meine eigenen. Aus mir selbst heraus. Ich habe sozusagen den Panzer abgeschlagen und stehe ziemlich nackig und verletzlich da, einige alte Brösel bedecken mich noch, die Schutzfunktion ist allerdings dahin. Ich wage Brüche: Konkret wechsle ich den Beruf und arbeite nach einer Pause niederschwellig, meine zahlreichen Ehrenämter gebe ich sukzessive auf. So verschaffe ich mir Zeit und Luft. Mein nächstes Umfeld sieht dem Prozess hilflos und verständnislos und wortlos und ängstlich zu. Wir funktionieren weiter, jeder für sich und nach außen den gesellschaftlichen Standards und Erwartungen entsprechend. Nur: Ich habe mich verändert. Trotzdem fresse ich noch, nehme weiter zu, erbreche von Zeit zu Zeit, betäube die Depression medikamentös. Einige Symptome begleiten mich nach wie vor.

Flieger.
Fazit: Ich habe einen Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr weiter komme. Mich selbst habe ich verändert, mein nächstes Umfeld wollte und will nicht mit oder ich ließ ein Mitgehen nicht zu. Freunde haben längst verstanden, was jetzt dran ist. Ich auch, doch meine zaghaften oder taktlosen Versuche scheitern. Beim Versuch, mir Klarheit zu verschaffen, lege ich nicht nur meinen roten Faden, sondern auch fest verinnerlichte Glaubenssätze frei. Dafür brauche ich überraschend viel Platz, so ergibt sich schon der nächste post. Dran bleiben!

Donnerstag, 17. Mai 2018

Fehltritt oder Rückfall: Mit neuer Kraft

Erhellende Effekte


Wie eine simple fiebrige Bronchitis mir meine Bedürfnisse aufzeigt und mich meinem Körper noch ein Stück näher bringt. Eine Ergänzung zum voran gegangenen post "Über das Spüren".

Eine Übung: Körpersignale verstehen.

Tatsächlich bin ich richtig krank geworden. Vermutlich hat mich mein Körper aus dem Verkehr gezogen und zur Pause gezwungen. Inzwischen helfen mir Antibiotika durch den Tag und Codeintropfen durch die Nacht. Widerwillig nehme ich also (weitere) Medikamente. Sie wirken, ich fühle mich besser, kann wieder aufstehen und habe Appetit. Apropos Appetit: Mein Körper vermittelt recht deutlich, was er braucht. Ich habe Lust auf Gesundes, nicht auf Fettiges oder Süßes. Der Drang nach diesem Mehr-Mehr-Mehr an Essen ist kaum vorhanden. Nur einmal, gestern, bin ich über die übrig gebliebenen Pfannkuchen für meine
Unter anderem.
Kinder hergefallen. Blitzartig war dann der Gedanke an ein schnelles Erbrechen in meinem Kopf; ich war alleine, das Klo zog und zerrte an mir als wäre ich ein Flummi am Band. Loswerden-Loswerden-Loswerden, Abnehmen-Abnehmen-Abnehmen, Weitermachen-Weitermachen-Weitermachen, alles bekannt. Jedoch: Mein Widerstand war stärker! Zunächst inneres Entsetzen, sofort der Gedanke an den Zeiger auf der Waage, dann: Ein cooles Gefühl. Ich werde kraftvoller, mein Widerstand wird verlässlicher. Und das, obwohl ich körperlich krank bin. Irgendwie widersinnig. Und gut-gut-gut!



Den Rückfall abgewendet - aber wie?

Es bleibt die Frage: Wie habe ich das geschafft, wie kann ich diesen Widerstandsmoment reproduzieren? Ich glaube, zum einen bin ich viel zu schlapp zum selbst induzierten Erbrechen. Zum anderen ist mein Magen-Darm-Infekt gerade erst überwunden. Zum dritten waren die Pfannkuchen lecker und selbstgemacht, mit viel Mühe auf klapprigen Beinen; und ich habe sie nicht verschlungen sondern beinahe langsam gegessen; außerdem waren es nur 2. Viertens hatte ich Medizin im Bauch, die oral genommen wirken sollte. Eine lange Liste situationsbedingter Ursachen. Doch was ist der innere, der tiefere Grund für meinen gelungenen Widerstand? Vermutlich ist es dieser: Ich habe räumlichen Abstand zwischen das Flummi-Ich und die Toilette gebracht. Ich habe nachgedacht, mein Bewusstsein aufgerüttelt und erreicht. Dann habe ich gehandelt und Wasser getrunken, mich wieder ins Bett gelegt. Das klingt einfach, nicht wahr. Bestimmt macht mir der Widerstand nächstes Mal noch weniger Mühe, wenn mich das Mehr-Mehr-Mehr überfällt.

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Donnerstag, 10. Mai 2018

Über das Spüren

Gut-zu-mir-Sein.

In Kontakt mit mir selbst.


Ich bin krank, körperlich. Und ich lerne in der Rückschau viel über mich aus diesem Elend: Ich fühle mich in Kontakt mit mir selbst, vielleicht zum ersten Mal.

Unerwartet schlapp und müde.

Den gestrigen Arbeitstag und das anschließende Mittagsprogramm habe ich noch geschafft, mit gutem Appetit gegessen, alles geregelt. Dann plötzlich liege ich auf der Dachterrasse in meinem Sessel, komme kaum noch hoch. Ich fühle mich diffus schlecht, aber nicht so wirklich - und doch auch gar nicht gut. Ich schiebe diesen Zustand als Ausdruck von Erschöpfung auf mein fehlendes Wochenende, weil ich zwei Tage unterwegs war. Und bleibe einfach liegen, überlasse die Kinder ihrem munteren Tun. Keine Wäsche, kein Putzen oder Aufräumen und Einkaufen.

Sonntag, 15. April 2018

Schlüsselsätze: Trick 17

Beiläufig und unerkannt, doch so wesentlich.


Wie wichtige Worte scheinbar unendlich lange brauchen, um bei mir anzukommen. Heute kapiere ich, was mir vor ein paar Wochen mitgegeben wurde. Weiterlesen erneut auf eigene Gefahr.

Wie geht's, wie steht's?

Ganz gut soweit, danke. Und selbst? Schnell abgelenkt, ist besser so. Ich will ja nicht die ewig gleiche Leier erzählen. Und lügen möchte ich auch nicht. Und, es stimmt ja auch: Ganz gut soweit, danke. Ich habe allerdings viel mehr Interesse an der Antwort meines Gegenübers, als dass ich selbst erzählen möchte. Hinterher denke ich: Das war wieder ziemlich perfekt. Ich habe zwei Seiten; die eine ist richtig stark, die andere ist ganz und gar bedürftig. Die bedürftige Seite kann ich nicht ertragen, weil ich nicht weiß, wie ich ihr gerecht werden soll, wie ich sie füttern soll. Darum blende ich sie aus, verstecke sie durchaus. Darin bin ich richtig gut geworden in all' den Jahren. Ich habe mich hart gemacht. Mein Interesse am Außen ist echt, das erspart mir den Blick ins eigene Innen. Ganz gut soweit geht's mir also, danke sehr. 

Und dann krieg' ich das Kotzen.

Freitag, 30. März 2018

Auf dem (Frauenkreuz)Weg

Mitgestalten und Abladen


Wie mich Zufälle und Fügungen den Evangelischen Frauen in Württemberg nahe bringen und worin es (zunächst) mündet.

Abschied.

Die letzten beiden Wochen waren in meinen Gedanken und Gefühlen völlig überdeckt vom Tod meiner Freundin Kirsten. Dieser Verlust erscheint so ungerecht und fürchterlich, dass mir die Worte fehlen. Wie kann mein Herz nur derart unvorbereitet sein, obwohl der Verstand im Vorfeld Zeit genug fürs Begreifen hatte? Alles in mir wehrt sich gegen das Verstehen!

Entwicklung.

Letzten Sommer hatte ich ein Seminar besucht, dort Zeit zum inspirierenden Gespräch zwischen den Schulungsblöcken gefunden, Ideen gesponnen: Ich wollte mitmachen beim ökumenischen Frauenkreuzweg in Stuttgart. Ich war auf einen Zug aufgesprungen, der nun für mich viel zu schnell fuhr. Auf einmal werde ich gebeten zu liefern, muss mich nackig machen vor der Öffentlichkeit, bekomme Angst vor meinem eigenen (Über-)Mut.

Auf dem Frauenkreuzweg, auf dem Weg.

Und jetzt ist es wieder soweit, es wird Ostern. Völlig verdrängt, passt das Fest plötzlich zu mir und zu meiner Stimmung. Denn zunächst ist heute Karfreitag. Ich begebe mich also auf meinen ersten Frauenkreuzweg. Jesus ist am Kreuz gestorben, auch für mich. Auch für mich? Gar nicht so sattelfest im Glauben, habe ich viele Fragen. Ich fühle mich getragen von den Frauen und Männern um mich herum, von der Musik, so dass ich mich trauen kann, vorzutragen, was ich zu sagen habe. 

Hinterher.

Ich komme nach Hause, brauche zuvor den Cappuccino im Café und die Fahrt in der U-Bahn zum Sammeln und Nachdenken. Zwei Stunden zuhörend und schweigend Unterwegssein durch die Stadt mit Ziel und Abschluss in der Hospitalkirche hinterlassen Eindruck. Ich fühle mich sortierter, ruhiger. Ich glaube, ich habe eine ganze Menge Ballast in der Hospitalkirche gelassen. Mir kommen die Tränen, so Vieles ist abzuladen. Es ist nicht alles gut. Doch es wird Ostern, auch für mich.

Mein Vortragstext zum Nachlesen: Station 3, Essstörungen.

Ort: Marktplatz/Ecke Schulstraße

„Mama, toll, Du hast wieder Nutella gekauft!!“

Sonntag, 18. Februar 2018

Wahre Worte

Offen sein für Impulse


Ein Riesenfortschritt ist, dass ich wieder Bücher lesen kann: große, dicke Wälzer. Gerne Fachliteratur, am liebsten jedoch Krimis. Inhalte erschließen sich, ich muss Sätze nicht mehrfach lesen und verschlinge die Bücher regelrecht. So bleiben die Worte nicht leer, überall entdecke ich Neues, ganz nebenbei. In Zeiten meiner Depression, Angststörung und massiv praktizierter Essstörung ging diesbezüglich gar nichts. Ich atme auf. Und nehme wahr. Verstehe größere Zusammenhänge.

Wahre Worte in einem Kriminalroman 

Karin Slaughter, "Blutige Fesseln", Weltbild Verlag, 2016. Die Sprache liegt mir nicht, ich empfinde sie in Teilen als vulgär, platt, sexistisch, starke Geschlechterstereotypen widerstreben mir. Jedoch: Der plot ist phantastisch, überraschend, spannend, fesselnd, blutrünstig, auch gesellschaftskritisch. Und psychologisch interessant. Ein (langes) Zitat, S. 534, 1. Absatz:

"Du weißt, was ich meine", entgegnete Tessa. "Ich sehe dich vor mir, wie du ganz ganz stoisch und logisch bist und ihn glauben lässt, das Ganze sei eine Art mathematisches Problem mit einer Lösung x oder y, während du innerlich halb stirbst. Aber du schaffst es nicht, ihn das wissen zu lassen, weil du befürchtest, du könntest wie ein Ritterfräulein in Nöten wirken." Sie hielt inne, um Luft zu holen. "Schau, nichts ist falsch daran, ein Ritterfräulein zu sein. Es geht hier gar nicht um Mann oder Frau. Es geht um menschliche Bedürfnisse. Du kümmerst Dich gern um ihn. Du hast gern das Gefühl, gebraucht zu werden. Es ist keine Sünde, wenn du Will das Gleiche in Bezug auf dich zugestehst. (...) Du musst ihm zeigen, wie du dich fühlst."

Erkenntnis? 

Sogar, wenn ich Pause mache, d.h. Zeit zum Lesen habe, begleiten mich also meine Lebensfragen. Ich werde mit dem Kopf darauf gestoßen. "Du musst ihm zeigen, wie du dich fühlst." Dieser Satz lässt sich übertragen auf meinen Mann, auf Freunde, meine erweiterte Familie. Ich bin wieder offen für Impulse. Jetzt muss ich was draus machen. Ich weiß auch schon ungefähr, wie und was. Mir fehlt nur immer noch der Mut. Und das ist feige. Mist.

Freitag, 16. Februar 2018

Allein zuhause

Sofa-Pause. Pausen-Sofa.

Ein Jubelruf.


Nicht 7 Wochen ohne, aber 4 Tage ohne. Ohne Mann und ohne Kinder. Alleine zuhause. Ohne Termine, ohne Arbeit. Was diese Auszeit für mich bedeutet.

Zum ersten Mal seit 14 Jahren...

... bin ich alleine. Nicht in der Klinik im Doppelzimmer, nicht zu einem Seminar im Hotel oder zur Auszeit in der Pfalz, sondern ganz alleine daheim. Nicht für 15 Minuten oder 2 Stunden, aber für 3 Nächte und 4 ganze Tage, für 72 Stunden und ein bisschen was. Ich liebe meine Familie, ich liebe meine Kinder und mein turbulentes Leben. Jedoch, die letzten Jahre haben mich platt gemacht. Sie bringen Seiten an mir zum Vorschein, die ich nicht mag. Diese Jahre zeigen mir, was ich alles kann - und was ich nicht mehr kann. Auch, was ich nicht mehr will. Sie haben mich verändert, erwachsen werden lassen und mich hart im Umgang mit mir selbst und mit anderen gemacht. Ich bin reifer geworden und vor allem viel gesünder. Trotz mancher Widrigkeiten bin ich dankbar für diese Zeiten und stolz, dass ich so lange durchgehalten habe.

Samstag, 3. Februar 2018

Danke

Danke, Ihr Lieben da draußen!


Suchtdruck.
Ganz verdattert bin ich über den Zuspruch, den ich von Euch erfahre. Ich danke Euch sehr! Ihr macht mir Mut, jeden Tag neu anzufangen, dran zu bleiben. Dazu gehört wohl auch, ab und an einen Schritt zurück zu stolpern. Und: Kleine Erfolge sind vielleicht gar nicht so klein, wie sie mir scheinen. Ich will versuchen, auf meine eigene Kraft zu vertrauen. Ehrlich zu bleiben, mich selbst nicht länger zu belügen. Meinen Suchtdruck anzuschauen. Gestern habe ich im Keller eine Flasche Wein gefunden; sie ist nicht leer. Der restliche Inhalt wartet auf mich, wenn ich morgen von meinem Kurzurlaub zurück kehre. Ich nehme Eure Impulse mit und bleibe mutig.

Donnerstag, 1. Februar 2018

Witzgefühle

Zum Totlachen. Aber kein Witz.


Warum ein Blick ins Badezimmer mein Fass zum Überlaufen bringt.
 

Kalt wie Stein wie tot.

Heute musste ich erneut lernen, wie schwer es ist, mit Kritik umzugehen. Dabei
Impuls-Werbung. Werbe-Impuls.
ist gar nichts Wesentliches passiert: Klare Absprachen haben gefehlt; ich habe selbstständig gedacht und gehandelt, wo ich hätte nachfragen müssen. Das passiert mir leider öfter - mir wurde auch schon gesagt, ich würde meine Rolle nicht finden. Das saß damals gut, und wirkt jetzt, viele Monate später, noch nach. So dass ich mir Situationen wie heute sehr zu Herzen nehme. Ich mache mich hart, sperre die Gefühle oder das Was-das-ist aus. Mache mich kalt wie Stein wie tot. Und sehne mich nach Prosecco und dunkler Schokolade. Mittags um 12. Zum Totlachen, mäßig witzig.

Sonntag, 28. Januar 2018

Fehltritt oder Rückfall: Änderungsmotivation

Verzwicktes Leben. Halt mich!

 
Warum der post "Fehltritt oder Rückfall: Suchtverhalten" zu besorgten Rückmeldungen führt und was ich darauf antworten möchte.

Bitte um Verständnis. Ein Appell.

Kein Kinderbild.
Seit ich mich mit meinem Suchtverhalten auseinander setze und bei Recherchen auf die Unterscheidung von öffentlicher Fassadenpersönlichkeit und heimlicher Suchtpersönlichkeit gestoßen bin, geht es mir besser. Heißt das doch, dass mein Kampf, mein Zerrissensein, tatsächlich im Prinzip der Sucht begründet ist. Beide Seiten sind echt, in beiden Persönlichkeiten steckt mein Ich-Mich. Ich bin nicht zu doof, um scheinbar einfache Dinge hinzubekommen. Ich kann mich "nicht mal eben disziplinieren und aufhören zu essen" oder "endlich mal normal essen", wie es mir gesagt wird. Ich bin selbst mein härtester Kritiker. Ich habe mir meine Krankheit nicht ausgesucht. Sie quält mich fürchterlich. Mein automatisiertes Verhalten zu ändern, ist unendlich mühsam. Darum dieser Appell, diese Bitte um Verständnis.

Änderungsmotivation. Ambivalenz.

Gleichzeitig bekommt meine Motivation, die beiden Persönlichkeiten einander anzunähern, Dämpfer durch das echte Leben.

Freitag, 29. Dezember 2017

Körperliche Symptome

Neue Reaktion. Ein neues Muster?


Gestern abend kam es zu einem massiven Streit. Ich bin fürchterlich betroffen und mitgenommen, obwohl ich gar nicht Mittelpunkt der Auseinandersetzung war. Aber: 

Mein Körper reagiert anders.

Mir ist übel, ich bin trotz des Durcheinanders in meinem Kopf eingeschlafen und einigermaßen ausgeruht aufgewacht, das Gedankenkarussel dreht sich erst jetzt wieder und hat mich heute Nacht in Ruhe gelassen. Neu ist: Ich verspüre keinen Fressdruck (ja, dafür gibt es einfach kein netteres Wort), die Übelkeit lässt mich gar nicht an Essen denken. Eher liegt mir die Stimmung wie ein Stein im Magen. Ich bin todtraurig, weil die Situation ungeklärt ist und mich natürlich auch betrifft. Ich verbuche meine neue körperliche Reaktion als Zeichen, dass ich meinen Körper etwas besser verstehe, dass ich nicht sofort essen muss, sondern - so fühlt es sich an - diesen Schritt überspringen und einen anderen Umgang finden könnte. Zu viel Kauderwelsch?

19:00 Uhr, Nachtrag am Ende vom Tag.

Ich bin DOCH Mittelpunkt der Auseinandersetzung, ich war nur zu blöd es zu verstehen. Mir ist der Appetit vergangen. Auch das ist ein ziemlich neues Empfinden für mich. Ich habe krampfhaft an meiner Tagesstruktur mit geregelten Mahlzeiten festgehalten, für entsprechende Energie gesorgt - auch ohne Appetit. Ziemlich lustlos habe ich außerdem irgendwann 7 (!) übrig gebliebene Weihnachtskekse gegessen. Geschmeckt haben sie zwar nicht, aber irgendwie musste das sein und mehr wurden es nicht, obwohl es Möglichkeiten gegeben hätte. Vermutlich ist in all' dem Schrecklichen mein Umgang mit dem Essen gar nicht so schlecht. Es könnte schlimmer sein.

Freitag, 6. Oktober 2017

Innensicht

So viele Fragezeichen


Ein Versuch, Mut zu machen, in einem Moment, der das so gar nicht zulassen will.

 

Aus der Übung?

Ich wünschte, ich könnte mein Inneres ansehen und verstehen. Nein, nicht das Wunder von Magen- und Darm-Zusammenspiel oder die Komplexität des Blutkreislaufs. Sondern ich meine, wie innerstes Herz und tiefster Verstand funktionieren, einander beeinflussen und wie ich sie steuern oder auch Unbegreifbares annehmen kann. Geht das überhaupt? Ich glaube, einen kleinen Eindruck davon, wie es gehen könnte, habe ich meinem Therapeuten zu verdanken. Er ließ mich mehrfach in meinen Körper reisen: Durch eine kleine Spiegelscherbe hindurch einen Eingang finden, dann einen Ort des Wohlfühlens in mir selbst entdecken. Aber ich schaffe es nicht allein.  

Was ist es, das mich nieder drückt? 

Der Krankenhausaufenthalt hat mich mehr mitgenommen als erwartet, sowohl körperlich als auch seelisch. Ich bin echt aus der Spur und habe im Augenblick keine Idee mehr, wie ich mein fragiles Gleichgewicht zurückerlangen soll. Statt dessen haben sich die Tentakel der Magersucht meiner bemächtigt, in vollendeter Perfektion hat mich das Essenwollen (oder -können?) verlassen. Ich sehe die Scherben meiner Innensicht und finde keinen Zugang zu mir, von einer Reparatur bin ich noch allzuweit entfernt. Und ergebe mich meiner Sucht. Das wiederum schockiert mich völlig, dachte ich doch, ich sei schon sehr viel weiter.

Kontrollverlust und Ausgeliefertsein?

Vermutlich sind das zwei meiner Schlüsselwörter: Kontrollverlust und Ausgeliefertsein. Im Krankenhaus musste ich mich der Kompetenz der Ärzte und Pflegekräfte ergeben, auch körperlich völlig entblößt für einen operativen Eingriff, der genauso ein Eingriff in mein Innerstes war. Als ich vor Angst von der Liege springen wollte, wurde ich festgehalten. Als ich ein Schlafmittel erbat, bekam ich eine Tablette zur Beruhigung. Mit Sicherheit alles zu meinem Besten und niemals als Angriff gemeint. Und doch so ausliefernd. Vielleicht reagiere ich mit der einzigen, für mich stets funktionierenden Methode: Mit meiner Sucht. Hier muss ich in der Therapie sicher noch einmal besonders draufschauen.

Warum notiere ich das?

Indem ich diesen Text aufschreibe, kläre ich für mich, wo ich stehe. Indem ich diesen Text freischalte, stelle ich mich bloß. Indem ich zulasse, dass ein Außen diesen Text liest, erlaube ich ein Miterleben, Mitfühlen, vielleicht Kopfschütteln und Unverständnis. Letzteres ist mir wenngleich nicht egal, so doch unwichtig. Ich bin sicher, dass ich einen Weg hinaus finde aus diesem Loch. Daran will ich weiterhin glauben. Und indem ich diesen Text aufschreibe, erkläre ich mir selbst, dass es ihn gibt für mich, diesen Weg. Diese eine besondere Scherbe. Diese Innensicht.

Sonntag, 24. September 2017

Selbstverletzendes Verhalten

Gnadenlos ehrlich: So sieht's aus.

 

Nur eine Gewohnheit?

Ich erinnere mich, dass ich schon als Mädchen meine Fingernägel abgekaut habe. Meine Mutter schöpfte so ziemlich jede moderne Ablenkungsmethode aus, sogar übel schmeckenden Nagellack. In der Pubertät arbeitete ich mich eigenmotiviert daran ab, mit dieser Angewohnheit aufzuhören. Die Finger im Mund und hinterher blutende Nagelhaut fand ich selber hässlich. Die Außenwirkung wurde mir wichtig. Irgendwie habe ich es sogar geschafft, die Gewohnheit abzulegen, allerdings kam dann fast übergangslos die Bulimie.
Gekauft habe ich bestimmt 100 verschiedene sogenannte Produkte zur Hand- und Nagelpflege. Meine Finger begann ich zu schützen, manchmal sogar zu pflegen. Die Nagelhaut zupfe ich allerdings immer noch; mal mehr, mal weniger.

Warum ich niemals offene Schuhe anziehen kann.

Es gibt Zeiten, in denen ich sogar Ringe tragen kann. Aber niemals offene Schuhe, schöne Sandalen oder Flipflops. Denn: Meine Finger habe ich im Griff, aber meine Zehen sind völlig ramponiert. Ich habe so ausdauernd jeden einzelnen Zehennagel bearbeitet, d.h. abgezupft, eingerissen, abgeknibbelt, abgebissen, dass die Nägel nicht mehr nachwachsen und die Nagelhaut zerstört ist. Dies geschieht immer automatisch; ganz besonders im Sommer, wenn die Socken fehlen. Aber auch sonst. Fürchterlich peinlich. 

Wird die Not zu groß,...

... fühle ich mich wie ein Vulkan. Dann stehe ich kurz vor der Explosion, voller Energie weiß ich doch nichts mit mir anzufangen. Voller Bewegungsdrang, will ich nur aufs Sofa. Voller Sehnsucht nach Ansprache und Hilfe, ziehe ich mich zurück. Umgeben von Leben, will ich doch nur meine Ruhe haben. Voller Entsetzen sehe ich mir von außen zu, wie ich die Schokolade öffne. Oder den Wein. Ich schaue mir in den Kopf und lese meine Gedanken oder Sehnsüchte, ohne sie zu verstehen oder unterbrechen zu können. Reingrätschen klappt nicht immer. Dann will ich nur noch erbrechen, Schmerzen im Hals spüren, Blut schmecken. Aber ich erbreche ja nicht mehr. Was bleibt mir also? Mein Vulkan ist ja nach wie vor aktiv, mein Ich-Mich ist immer noch hin und wieder Matsche. Seit ich nicht mehr erbreche, nimmt das Knibbeln und Zupfen, das Abreißen und Kauen wieder massiv zu. 

Gnadenlos ehrlich zu sein,...

... habe ich mir ganz fest vorgenommen. Ich will mich selbst nicht mehr bescheißen. Ich will mir selbst vertrauen lernen. Also blicke ich auf meine Hände und Füße und stelle fest, dass ich mich weiterhin selbst verletze. Doch ich wage zu glauben und zu hoffen, dass diese abgeschwächte Form erstmal ok ist. Nicht schön, aber auf jeden Fall besser als das Erbrechen. Irgendetwas brodelt noch in mir, das ich noch aufdecken und womit ich umzugehen lernen muss. Damit ich vielleicht in diesem Leben doch nochmal Sandalen tragen kann.

Samstag, 23. September 2017

Kleine Weisheit

Ich glaub', ich mag Berührungen.

 

So beschreibt mein jüngster Sohn (s)ein Grundbedürfnis.

Schon als er klein war, ein Baby noch, schnurrte er beim Rücken- oder Bäuchleinstreicheln wie eine kleine Katze: ganz genüsslich, er bog sich meiner streichelnden Hand nahezu entgegen. Hatte er genug, drehte er sich fort. Meist wurde meine Hand jedoch zuerst müde. Auch jetzt, inzwischen ist er neun Jahre alt, mag er es noch sehr, wenn wir Zeit finden zum Kuscheln; er fordert diese Momente ein, wenn er sie braucht. Und beendet sie, wenn es reicht. Betrachte ich diese Situationen so für mich, bewundere ich ihn dafür: Er weiß, was er will und wie lange es gut für ihn ist.

Wieder lerne ich von meinem Kind: Nähe!

Er spürt, was er will. Er drückt aus, was er will. Auf eine nette, liebevolle Weise. Natürlich kann er auch verletztend sein. Aber nicht in diesen Situationen. Für mich als (psychisch kranke) Mutter sind die Kuschelzeiten auch Momente des Auftankens. Von niemandem sonst kann ich selbst diese intensive Nähe ertragen. Ich glaube, das liegt daran, dass mein Sohn völlig klar seine Bedürfnisse und auch seine Grenzen ausdrückt. Er will niemals mehr und ich verstehe meist gut, was er möchte. Er sagt über sich selbst: "Ich glaub', ich mag Berührungen." Und die sind für ihn wie Schokoladenkuchen.

Mein Körper ist nicht gut genug zum Anfassen.

Stets komme ich darauf zurück: Ich lasse Berührungen zwar zu, aber ich mag sie nicht. Damit meine ich nicht das Kuscheln mit meinen Kindern. Sondern Berührungen durch meine eigenen Hände oder die meines Liebes- und Lebenspartners. Das Gefühl meiner Hände auf meinem Bauch: eklig. Berührungen an anderer Stelle: eher mit zusammen gebissenen Zähnen zu ertragen. Wie eklig muss sich das für den Partner anfühlen? Mich selbst anschauen im Spiegel: zum Kotzen. Nur das Gesicht und die Schienbeine kann ich ertragen. Mein Mann findet mich sexy, mit mehr Gewicht eher mehr als weniger. Annehmen kann ich das nicht.


Meine Kinder stellen sich diese Fragen gar nicht.

Sie handeln instinktiv. Insbesondere mein jüngster Sohn will einfach nur berührt werden, am liebsten mit der ganzen Hand an Bauch und Rücken. Er mag die Wärme auf seiner nackten Haut, die Gänsehaut, die Bewegung, die Massage. Oft kommen wir dabei sogar ins Erzählen. Meine Kinder stellen sich die Frage nicht, ob sich ihr Bauch für mich gut anfühlt, für sie ist es gut. Sie fragen sich auch nicht, ob ihr Rücken beim Massieren Falten bildet. Das ist einfach so, gehört zu ihrem Körper dazu. Also alles in Ordnung und genau richtig. Wie schön.

Zeit für eine Pause

Umbrüche. Abschiede. Ich ziehe mich zurück, der Blog macht Pause. Gründe dafür gibt es viele, der Wichtigste: Mit dem Essen komme ich zurech...