Posts mit dem Label Selbstverletzendes Verhalten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Selbstverletzendes Verhalten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 28. November 2019

Mein reizender Cocktail...

In Auszügen.

... aus Wein, Schokolade, Kaffee, Tabletten, Shopping, Blut und Schmerz.


Back to the sprachlosigkeit, back to my very best. Nur variantenreicher, beinahe noch schlimmer als damals, als ich bloß gekotzt habe.

Bekannt: bodenlos traurig, elend und matt und müde, körperlich ausgehöhlt, dauerschlafend und doch nie erholt.

Fast darf ich das hier gar nicht aufschreiben, schließlich wird’s die eine oder der andere lesen. Dann bin ich wieder nackig. Es tut mir leid, ich kann nicht sprechen, nur schreiben. 

Symbolhaft.
Man sieht mir nix an, ich fahre diese Stacheln der Perfektion aus, alles gut und wunderbar. Der Alltag läuft, ich stemme das Zuhören und Mittagessenkochen und Motivieren und Nachhaken und Organisieren. Was ich nicht schaffe: Körperpflege, Kosmetik, Einkaufen, Aufräumen, Telefonieren und wichtige Post erledigen, Arbeitengehen, Dinge-tun-Müssen. Ich schlafe vorm Außen verborgen ganze Vormittage, mache eine erklärt lange Mittagspause, entziehe mich der Familie durch frühes Zubettgehen. Ausgeschlafen oder gar energiegeladen bin ich nie.

Sonntag, 16. Dezember 2018

Einblick in die Therapie

Gefangen.

Bubbles...


..., überall Bubbles: Seifenblasen, Illusion, Halluzination, Traum, Fiktion, Wahn, Fantasie, Wahrheit? Bubbles eben. Einblick in eine von vielen Therapiesitzungen.

Wieder ein Status Quo.

Wie gesagt, habe ich die Frequenz meiner Therapiesitzungen erhöht. Ich muss mich also fast wöchentlich den Fragen meines Therpeuten stellen. Zunächst die hard facts, die guten, die Haben-Seite zuerst: Ich habe mein Leben und damit auch das Leben meiner Familie auf den Kopf gestellt; nach langem und schwerem Ringen habe ich eine Entscheidung getroffen, die uns alle betrifft und Vieles verändert. Der Schritt war überfällig und so schwer wie noch nichts bisher in meinem Leben. Trotzdem gehört dies auf die Haben-Seite, obwohl es sich überhaupt nicht gut anfühlt.

Freitag, 9. November 2018

Einblick...

Wieder da.

... in die Depression.


Wie fühlt sie sich denn eigentlich an, die Depression? Diese Frage stelle ich mir selbst. Vielleicht liefert mir die Antwort Ansatzpunkte für einzelne Schritte hinaus aus der Misere. Zunächst mache ich mich im folgenden wieder einmal nackig. Achtung: Nicht schön zu lesen.

Sonntag, 28. Januar 2018

Fehltritt oder Rückfall: Änderungsmotivation

Verzwicktes Leben. Halt mich!

 
Warum der post "Fehltritt oder Rückfall: Suchtverhalten" zu besorgten Rückmeldungen führt und was ich darauf antworten möchte.

Bitte um Verständnis. Ein Appell.

Kein Kinderbild.
Seit ich mich mit meinem Suchtverhalten auseinander setze und bei Recherchen auf die Unterscheidung von öffentlicher Fassadenpersönlichkeit und heimlicher Suchtpersönlichkeit gestoßen bin, geht es mir besser. Heißt das doch, dass mein Kampf, mein Zerrissensein, tatsächlich im Prinzip der Sucht begründet ist. Beide Seiten sind echt, in beiden Persönlichkeiten steckt mein Ich-Mich. Ich bin nicht zu doof, um scheinbar einfache Dinge hinzubekommen. Ich kann mich "nicht mal eben disziplinieren und aufhören zu essen" oder "endlich mal normal essen", wie es mir gesagt wird. Ich bin selbst mein härtester Kritiker. Ich habe mir meine Krankheit nicht ausgesucht. Sie quält mich fürchterlich. Mein automatisiertes Verhalten zu ändern, ist unendlich mühsam. Darum dieser Appell, diese Bitte um Verständnis.

Änderungsmotivation. Ambivalenz.

Gleichzeitig bekommt meine Motivation, die beiden Persönlichkeiten einander anzunähern, Dämpfer durch das echte Leben.

Samstag, 20. Januar 2018

Fehltritt oder Rückfall: Körperliche Schäden

Meine Gesundheit setze ich aufs Spiel.

Erschreckendes Finale.

Eineinhalb Jahre habe ich geschafft, ohne zu erbrechen. Jetzt bin ich wieder drin. Die Auswirkungen des Erbrechens spüre ich schlimmer denn je, ich bin älter geworden und, ja, auch aus der Übung. Versuch einer Darstellung der massiven körperlichen Beschwerden, die insbesondere meine Bulimie verursacht. Manche Schäden werden bleiben. Überhaupt nicht angenehm zu lesen. Wieder gilt: Auf eigene Gefahr. Kein Spiel, sondern bitterer Ernst.

Exkurs: Ablauf eines Fressanfalls mit anschließendem Erbrechen.


Früher habe ich für meine Anfälle eingekauft, diese geplant und 7 bis 10 mal täglich in großer Eile riesige Massen verbotener Lebensmittel verschlungen. Im Wechsel mit einer entsprechenden Flüssigkeitsmenge konnte ich sicher sein, dass das Erbrechen (E) von Keksen, Kuchen, Eis, Weißbrot mit Butter und Nutella oder Käse und Wurst, Chips, Pommes, Nudeln mit Bolognese-Sauce, Pudding, Schokolade und Pralinen funktioniert. Auf einen Anfall folgte der nächste, sobald der Bauch wieder leer und die Erschöpfung abgeklungen war.

Heute passiert das Erbrechen mit mir.

Mittwoch, 17. Januar 2018

Notfallplan: Telefonberatung

SOS - Was tun im Notfall?

 
Immer wieder gibt es Situationen, die kaum auszuhalten sind: Vor oder
nach einem Fressanfall (FA), vor oder nach dem Erbrechen, die tiefste oder eine beginnende Depression, der körperlich spürbare Kampf gegen den Rückfall, Schamgefühle, Gefühlschaos überhaupt, ewiges Gedankenkreisen, Einsamkeit ...

Wenn niemand da ist, wenn die Worte fehlen, hilft der Griff zum Telefon. Ich habe mehrfach selbst die Telefonseelsorge Stuttgart bemüht. In meinen Unterlagen bin ich außerdem auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gestoßen.

Sie bietet eine Telefonberatung zu Essstörungen an:
Telefon 0221-89 20 31 

Montag bis Donnerstag: von 10 bis 22 Uhr
Freitag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Montag, 1. Januar 2018

Gnadenlos ehrlich

Noch ein Strafzettel - E.

Und ich habe es wieder getan. Besser: Wieder nicht geschafft. Was ist passiert?
Nichts für empfindsame Seelen, ich bin gnadenlos ehrlich. Bitte gut überlegen vor dem Weiterlesen. Auf eigene Gefahr sozusagen.

Situationsbeschreibung: Wie alles begann.

Ich will einfach nur meine Ruhe haben. Ich will, dass sie mich alle in Ruhe lassen. So. Punkt. Darum lasse ich sie - erstmals - den Silvester-Film alleine gucken. Endlich auf meinem Sofa, quasi unterm beleuchteten Weihnachtsbaum, bei meinem Buch angekommen, will ich mir nur ein Plätzchen zum Genießen gönnen. Ich habe es schon oft geschafft: Erst 1, dann 2, dann 3 und Schluss. Damit kann ich gut leben. Nicht so dieses Mal. Es sind nur noch 6 Plätzchen übrig, die ich alle essen muss. Viel zu schnell, das einzelne leckere Plätzchen geht in der Hektik verloren. So wie ich. Leider war das Abendessen reichhaltig (Blätterteig-Tasche mit Gemüse-Käsefüllung, davor Kürbissuppe), spontan denke ich ans Klo. Automatisch überlege ich: Wieviel habe ich getrunken? Intuitiv weiß ich, es war wenig. Vermutlich genau die richtige Menge für perfekt einfaches Erbrechen. 

Sonntag, 17. Dezember 2017

So zerrissen - so normal?

Zer-spannt im chilligen Wochenende


Lange geplanter Ausflug mit der Familie, Übernachtungen in der Jugendherberge, Hoffnung auf Schnee, Packen für alle Wetter, Zusammentreffen mit der Verwandtschaft zur Geschenkeübergabe vor Weihnachten, viel Essen und Trinken, viel Nett-Sein, Programm für alle Beteiligten. Ich bin gestresst.

Immer extrem. Immer mit dem Kopf. Manchmal ohne Verstand.

Bei der Mühlenweihnacht.
Es wird ein schönes Wochenende. Viel Zeit mit den Kindern, aber auch mit meinen anderen Lieben. Natürlich keine Zeit für mich. Aber das passt. Ich bin fröhlich, lache viel, vergesse mein Leben, freue mich an der Leichtigkeit, an der Natur, am Winter-Wetter, an Ruhe und Trubel. Ich kann essen und der Kopf macht mit: Er steuert Appetit und Sättigung und auch mein Lachen. Setzt der Verstand aus, ist mir hinterher übel, ist der Magen zu voll. Ich fühle mich erleichtert, bereichert, fast schon extrem Irgendwas. Aber was ist davon echt, was ist Bauch und Gefühl, was ist Kopf und Verstand, was ist spontan, was ist geplant, was ist ausgehalten, was ist Theater, was ist ECHT? Ich weiß, dass ich echt froh bin, als es rum ist, unser Großfamilien-Wochenende. Und dass mir meine Schwester jetzt schon fehlt. Das muss ich ihr echt mal sagen.


Was ist schon normal.

In der Dauerschleife.
Vermutlich bin ich einfach durchgeknallt: Keine Beziehung zwischen Kopf und Bauch, zwischen Verstand und Gefühl. Irgendwann abgeschnitten in den 1980er-Jahren. Und seither nicht mehr wieder verbunden. Oder nie verbunden gewesen. Darum abhängig vom Außen, wie die Anderen mich sehen und was die wohl von mir denken - vor allem meine Eltern, meine Familie und all' die Leute, für die ich immer alles so toll hinkriege. Vielleicht weiß ich gar nicht, wer ich bin, was ich will, was meine eigenen Gefühle sind? Vielleicht ist es aber echt normal, sich diese Fragen zu stellen? Und wenn die Anspannung zu groß wird, kaue ich mir die Fingernägel-Reste auch noch ab, dann spüre ich mich ganz ECHT. Das ist vermutlich gar nicht normal. Ich bin zerrissen und angespannt. Doch wieder habe ich etwas geschafft!

Freitag, 1. Dezember 2017

Schlüsselsätze: Aktivierung

Mobilisieren Sie Ihren Körper!

Diesen Schlüsselsatz aus der Mototherapie mache ich zu meinem Rettungsanker, Notnagel, heilenden Gedanken und Strohhalm: Den Rücken strecken, Kopf hoch, das Kinn gerade, Schultern nach hinten, wach werden...

 

Ins Tun kommen...

... ist verdammt schwer. Aber ich muss aus der Depression raus, muss mein feststeckendes Ich-Mich wieder befreien, damit ich merke, dass ich da bin, damit ich mich anders spüre als im Schmerz. Im körperlichen Schmerz beim Fingernägelkauen oder Putzen bis der Schweiß rinnt, beim Treppe rauf und runter rennen, beim Kopf-gegen-die-Wand-schlagen oder beim Wein trinken bis mir schwindelig ist. Oder beim Erbrechen bis es blutet, was plötzlich wieder so einfach geworden ist.

 

Ins Tun kommen...

... kostet mächtig Überwindung. Es scheint einfacher zu sein, im dunklen Loch zu bleiben. Jedoch, ich will da wieder raus!

Sonntag, 26. November 2017

Wirklichkeit ohne Bodenkontakt

Bähmm! Noch mehr Wirklichkeit.

 

Die Frage bleibt: Was ist meine Wirklichkeit?

Links. Noch schlimmer geht auch immer.
Im Augenblick bin ich unwirklich. Nicht da, nicht hier, nirgendwo. Ich habe keinen Appetit, kaum etwas gegessen, mein Bauch wölbt sich trotzdem meterweit vor in riesigen Rettungsringen während ich am Laptop sitze. Es ist Sonntag, der Sport-Tag. Keine Lust, keinen Nerv, null Energie, leer, endlos bodenlos verloren. Niemand will etwas von mir, ich bin frei. Doch außer Leere spüre ich nix, in der heißersehnt verhassten Ruhe um mich herum beißt mich die Panik vor dem Abendessen. Mein Ich-Mich gefangen frei, sinnlos kreisend um immer dieselben Gedanken an Schokolade und Bratwurst mit Majo. Morgen ist Montag, wieder ein Montag für die guten Vorsätze. Die abgekauten Fingernägel lassen sich nicht mehr ankleben. Nur meine Vorsätze kann ich mir zurecht biegen. Der Schmerz ist echt, tut gut. Ist das meine Wirklichkeit?

Freitag, 24. November 2017

Wirklichkeit ohne Bodenkontakt

Bähmm! Angekommen in der Wirklichkeit.

 

Aber: Was ist meine Wirklichkeit?

Schlimmer geht immer.
Diese Woche war die schwerste Woche.
Ich war eine wirklich gute Mutter, als Ehefrau so naja. Der Haushalt läuft, Weihnachten wird vorbereitet, der Alltag organisiert. Dinge werden erledigt. Klappt super.
Das ist meine Alltagswirklichkeit.
Aber heute musste ich genauer hinschauen.

Denn: Das Erbrechen hat mich wieder.

Dienstag, 21. November 2017

Im Dialog: Selbstauskunft Kathrin

Wir haben etwas zu sagen!

Während meines letzten Aufenthaltes in der Klinik habe ich auf Station M3b7 wieder wundervolle Frauen getroffen. Einige von ihnen aus dem Esskonzept kommen hier zu Wort. Ich versuche, die Fragen in Form einer Selbstauskunft zu beantworten. Und merke, das ist gar nicht so einfach...

Selbstauskunft.


Kathrin, 43 Jahre alt, zum 3. Mal auf Station (jetzt für 4 Wochen), Bulimie, Binge-Eating, Depression, Angststörung

Sonntag, 24. September 2017

Selbstverletzendes Verhalten

Gnadenlos ehrlich: So sieht's aus.

 

Nur eine Gewohnheit?

Ich erinnere mich, dass ich schon als Mädchen meine Fingernägel abgekaut habe. Meine Mutter schöpfte so ziemlich jede moderne Ablenkungsmethode aus, sogar übel schmeckenden Nagellack. In der Pubertät arbeitete ich mich eigenmotiviert daran ab, mit dieser Angewohnheit aufzuhören. Die Finger im Mund und hinterher blutende Nagelhaut fand ich selber hässlich. Die Außenwirkung wurde mir wichtig. Irgendwie habe ich es sogar geschafft, die Gewohnheit abzulegen, allerdings kam dann fast übergangslos die Bulimie.
Gekauft habe ich bestimmt 100 verschiedene sogenannte Produkte zur Hand- und Nagelpflege. Meine Finger begann ich zu schützen, manchmal sogar zu pflegen. Die Nagelhaut zupfe ich allerdings immer noch; mal mehr, mal weniger.

Warum ich niemals offene Schuhe anziehen kann.

Es gibt Zeiten, in denen ich sogar Ringe tragen kann. Aber niemals offene Schuhe, schöne Sandalen oder Flipflops. Denn: Meine Finger habe ich im Griff, aber meine Zehen sind völlig ramponiert. Ich habe so ausdauernd jeden einzelnen Zehennagel bearbeitet, d.h. abgezupft, eingerissen, abgeknibbelt, abgebissen, dass die Nägel nicht mehr nachwachsen und die Nagelhaut zerstört ist. Dies geschieht immer automatisch; ganz besonders im Sommer, wenn die Socken fehlen. Aber auch sonst. Fürchterlich peinlich. 

Wird die Not zu groß,...

... fühle ich mich wie ein Vulkan. Dann stehe ich kurz vor der Explosion, voller Energie weiß ich doch nichts mit mir anzufangen. Voller Bewegungsdrang, will ich nur aufs Sofa. Voller Sehnsucht nach Ansprache und Hilfe, ziehe ich mich zurück. Umgeben von Leben, will ich doch nur meine Ruhe haben. Voller Entsetzen sehe ich mir von außen zu, wie ich die Schokolade öffne. Oder den Wein. Ich schaue mir in den Kopf und lese meine Gedanken oder Sehnsüchte, ohne sie zu verstehen oder unterbrechen zu können. Reingrätschen klappt nicht immer. Dann will ich nur noch erbrechen, Schmerzen im Hals spüren, Blut schmecken. Aber ich erbreche ja nicht mehr. Was bleibt mir also? Mein Vulkan ist ja nach wie vor aktiv, mein Ich-Mich ist immer noch hin und wieder Matsche. Seit ich nicht mehr erbreche, nimmt das Knibbeln und Zupfen, das Abreißen und Kauen wieder massiv zu. 

Gnadenlos ehrlich zu sein,...

... habe ich mir ganz fest vorgenommen. Ich will mich selbst nicht mehr bescheißen. Ich will mir selbst vertrauen lernen. Also blicke ich auf meine Hände und Füße und stelle fest, dass ich mich weiterhin selbst verletze. Doch ich wage zu glauben und zu hoffen, dass diese abgeschwächte Form erstmal ok ist. Nicht schön, aber auf jeden Fall besser als das Erbrechen. Irgendetwas brodelt noch in mir, das ich noch aufdecken und womit ich umzugehen lernen muss. Damit ich vielleicht in diesem Leben doch nochmal Sandalen tragen kann.

Samstag, 9. September 2017

Der Weg in den Abgrund

Diät, Guter Vorsatz, Besteck, ApfelFressen und Kotzen oder Nixessen - perfekt zum Abnehmen? 

 

Auf den Punkt gebracht: Das ist toaler Quatsch!

  1. Vom Erbrechen habe ich noch nie abgenommen. Die Quälerei ist schier unendlich, doch es bleiben genug Kalorien im Körper und werden immer, immer wieder neu zugeführt, so dass eine Gewichtsabnahme fast unmöglich ist. Zugenommen haben meine Depressionen, meine Scham, das Lügen und Verstecken. Beständig.
  2. Vom Nixessen habe ich durchaus abgenommen an Körpermasse, aber stets auch an Energie, an Konzentration, an Nerven. Ich habe mein Lachen verloren. Gewonnen habe ich Schmerzen am gesamten Körper, Schwindel, Übelkeit, Nevosität, Panikattacken, körperliche Zusammenbrüche beim Sport. Und natürlich habe ich auch in diesen Zeiten meine Ausreden verfeinert.
  3. Der Körper geht völlig kaputt. Zwar war ich jung, als ich anfing, und mein Organismus konnte mein Suchtverhalten einigermaßen wegstecken. Doch inzwischen bin ich deutlich älter und spüre die Nachwirkungen: Speiseröhre, Magen, Herz, Stoffwechsel sind angegriffen. Meine Zähne sind erstaunlich gesund, kaum zu glauben. Trotzdem: Das Wertvollste, was ich habe, ist meine Gesundheit. Die hat mächtig gelitten.
  4. Ich konnte nie aufhören! Jeden Tag sagte ich mir: Morgen höre ich auf. Vorher nochmal alles essen, was ich so sehr mag und nicht darf. Noch einmal elend erbrechen. Aber morgen, morgen höre ich auf mit dem Fressen und Kotzen. Morgen esse ich, so richtig, total gesund, total normal. Das wiederum habe ich nie geschafft. Das geht nämlich nicht.

Auf den Punkt gebracht: Es geht überhaupt nicht ums Abnehmen!


Das ist nur vorgeschoben, Jede und Jeder will abnehmen. Das ist modern, gesellschaftlich anerkannt, sogar gewollt. Aber bei Essgestörten vorgeschoben. Denn eigentlich geht es um das Ich-Mich: Ich bin nicht richtig, ich störe, ich bin zu viel, ich muss weniger werden, ich muss mich reduzieren, mich korrigieren. Erst dann habe ich (vielleicht) das Recht, überhaupt da zu sein. Ich verletze mich selbst, strafe mich für mein Dasein. Aber nur durch die Schmerzen spüre ich überhaupt, dass ich da bin.

So habe ich die Spirale erlebt, den langen Weg in den Abgrund. Die Spirale dreht immer schneller und zerstörerischer, mehr Schmerzen, mehr Erbrechen, weitere, schlimmere Verletzungen. Kein Ich-Mich mehr, überhaupt keins. Nur noch Matsche in Körper und Seele. 

Während ich das hier aufschreibe, denke ich: Was für ein Scheiß! Aber so ist es, so habe ich es erlebt und erlebe es manchmal immer noch. Das ist Sucht, nur Sucht, keine Diät.

Was für ein Scheiß. Meine Meinung. Punkt.

Samstag, 26. August 2017

Zusammenbruch

Mein Zusammenbruch - näherte sich schleichend, kam dann explosiv und allumfassend

Meine lange Geschichte

 

Wo bin ich gestartet? 

Vor einigen Jahren rotierte ich in verantwortungsvoller Position im Beruf, versorgte viele kleine eigene und befreundete Kinder, meinen Ehemann, dazu Haus, Handwerker, Auto sowie die erweiterte Familie. Alles lief gut, klappte bestens. Alle waren zufrieden. 
Die Bulimie begleitete mich schon seit meiner Jugend, stets in Phasen mit wechselnder Intensität. Und stets verborgen vor meinem Umfeld.

Erste Alarmzeichen 

Mein Zusammenbruch: Schokolade aus dem 
Bauch und Steine in den Schuh.
Irgendwann in diesen Monaten verging mir der Appetit, ich hörte einfach auf zu essen. Ich kam ohne Mittagspause aus, musste nicht mehr erbrechen, sehr angenehm. Für Frühstück und Abendessen war ich viel zu müde, auch das ließ ich aus. Mein Umfeld belog ich hinsichtlich bereits erfolgter Mahlzeiten. So wurde ich körperlich immer weniger, eine tolle und sehr erfolgreiche Diät. Zusätzlich betrieb ich nicht täglich, jedoch mindestens 4x pro Woche Ausdauersport.

Allerdings: Meine Nerven lagen blank, alles und jedes reizte mich, ich konnte meine Kinder sehen, aber nicht mehr erkennen, war ihnen überhaupt nicht mehr zugewandt. Ich konnte nicht mehr mit ihnen lachen, mich nicht mehr mit und an ihnen freuen. Ich schlief nicht mehr, die Gedanken kreisten unentwegt: Darum, was ich (wieder) nicht erledigt hatte, wie ich den nächsten Tag bloß schaffen sollte. Ich konnte mich auf keinen Text mehr konzentrieren, nicht mehr zuhören. Ich zog mich vollständig zurück. Dass das nicht gut ist, habe ich irgendwann kapiert.

Eine Entscheidung

Meine Kollegen sorgten und bemühten sich um mich. Ich liebte meine Arbeit. Trotzdem zog ich die Bremse: Ich kündigte und hörte auf zu arbeiten. Das war 2013. Es fiel mir unendlich schwer, war wirtschaftlich (mein Mann verdient unser Familiengeld) und persönlich (ich war wieder präsent) aber die richtige Entscheidung. Die Kinder kamen nach der Schule nach Hause, das Familienleben entspannte sich deutlich. Aha, ich erkannte: Die Verantwortung liegt also gefühlt alleine bei mir. Die Kombi Beruf und Familie lief bei mir nicht, diesbezüglich hatte ich ziemlich versagt. Das nagt auch heute noch an mir, für den Moment schien alles besser zu werden.


Nix geht mehr 

So verstrich ein Jahr, langweilig war mir nie. Ich stresste mich mit allem, auch mit noch mehr Sport. Perfektionierte meinen Haushalt, und wurde doch nicht fertig. Dann kam der Tinnitus. Zusätzlich erlitt ich Schweißausbrüche mit Herzrasen, Doppeltsehen und Übelkeit in der U-Bahn, beim Autofahren, in der Umkleidekabine beim Kaufhof, in meinem geliebten Schwimmbad beim Bahnenziehen. Die ärztliche Abklärung ergab: Gesund. Fazit: Panikstörung. Depression. Ruhe hilft, sagte mein Doktor. Aber ich konnte gar nicht mehr raus! Eine Katastrophe und mit aktiven Kindern nicht kompatibel. Meine gesamte Energie musste ich darauf verwenden, Ausreden zu erfinden, um mich bloß nicht aus meinen bekannten vier Wänden heraus wagen zu müssen. Ich war wieder voll drin im Fressen und Kotzen. Sonst ging Ende 2014 nix mehr...


Der Stoß von außen

Der Tinnitus raubte mir den letzten Nerv, ich schlief nun überhaupt nicht mehr. Und suchte Hilfe beim HNO. Erstmals bekannte ich mich zu meiner Essstörung - und stieß anstatt auf entsetzte Abwehr auf entsetztes Verständnis und den spürbaren Wunsch, zu helfen. Ich ließ mich auf Akupunktur ein: Mehrere Sitzungen verbrachte ich in seiner Praxis. Immer fiel ich sofort in einen langen, tiefen Schlaf. 

Einmal aber wachte ich nicht erholt, sondern völlig verzweifelt auf, weinte das ganze Kopfkissen nass. Mir fehlte die Kraft zum Aufstehen. Ich wusste meinen Namen nicht mehr, konnte einfache Fragen nicht mehr beantworten. Doch ich gewährte Einblick in mein Innerstes und beschrieb meine suizidalen Gedanken. Der Doktor wahrte Abstand, stand mir bei und hörte zu, fragte nach, bohrte sogar. Dann setzte er einen rettenden Hilfsprozess in Gang: Seine Helferin blieb bei mir (heute sage ich: sie passte auf mich auf), während er telefonierte. Er wandte sich an die Psychiatrische Klinik, sprach mit dem diensthabenden Arzt, er schrieb die Überweisung, er holte meinen Mann für die Versorgung der Kinder aus dem Büro nach Hause. Das Praxisteam setzte mich ins Taxi. 

Und ich stieg vor der Klinik aus, wenn auch voller Angst und nicht ganz freiwillig, und suchte meinen Weg zum Zentrum für Seelische Gesundheit. Der Arzt erwartete mich bereits, war grob informiert. Trotzdem musste ich natürlich die ganze Geschichte erzählen - es wurde ein weiteres erstes Mal, meine persönliche Premiere, eine erste Übung für viele weitere Berichte und der Startschuss für meinen aktiven Weg durch den Behandlungsdschungel.


Kein Allheilmittel, aber ein Anfang 

Schon damals war mir klar, dass mein Elend sich nicht einfach in Luft auflöst, sobald ich einen Fuß in eine Klinik setze. Aber plötzlich spürte ich Hoffnung, dass mir doch noch geholfen werden kann.

Rückblickend muss ich feststellen: Ohne den Stoß von außen, ohne diese tiefste Verzweiflung, ohne die Einweisung in die Klinik durch den HNO, wäre ich nicht aus meinem Loch heraus gekommen. Vielleicht wäre ich wirklich zu einer Gefahr für mich selbst geworden. Weit entfernt davon war ich sicher nicht.

Ich stellte mich der Aufgabe, das Ausmaß meiner Erkrankung(en) zu begreifen, therapeutische Angebote zu finden und anzunehmen, meine Familie zu organisieren, mein Umfeld in gewissem Rahmen ins Vertrauen zu ziehen. Ich stellte und stelle mich den Höhen und Tiefen von Therapien, den Symptomen und den Rückfällen. Ich nahm und nehme lange Abwesenheiten von zuhause bedingt durch weitere Klinikaufenthalte auf mich.


Was will ich damit ausdrücken?

Ich möchte eine Version aufzeigen, wie ein Zusammenbruch aussehen könnte. Vielleicht erkennt sich der eine oder andere darin wieder und kann früher als ich um Hilfe bitten. Bevor er oder sie auch so tief fällt.
Und: Ich will Mut machen! Heute, drei Jahre später, bin ich wieder präsent, kann lachen und meinen Alltag schaffen, fahre wieder Auto und Bahn, bin ins Berufsleben zurück gekehrt, gehe einkaufen und mit Freunden zum Grillfest, bin befreit von vielen meiner Zwänge. 
Zwar ist der Weg beileibe kein Spaziergang, sondern oft beschissen schwer und wahnsinnig traurig, total zehrend und demotivierend, aber es lohnt sich unbedingt. Dranbleiben!

Zeit für eine Pause

Umbrüche. Abschiede. Ich ziehe mich zurück, der Blog macht Pause. Gründe dafür gibt es viele, der Wichtigste: Mit dem Essen komme ich zurech...