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Mittwoch, 10. April 2019

Glücklich sein

Vortrag von Kera Deiss – Ein persönlicher Appell zur kritischen Reflexion


Große Freiheit?
Ich erlebe einen lebendigen Vortrag, durchaus authentisch. Warum mir eine umfängliche Aufklärung so wichtig ist und ich den Vortrag nicht unkommentiert stehen lassen kann. Warum ich diesen persönlichen Appell zur kritischen Betrachtung des Gezeigten und Gehörten anschließe. Bitte weiter lesen! Bitte weiter sagen!


 „Glücklich ist das neue Schön, Hungern war gestern. Ein (Ex-)Model erzählt.“ am 2. April 2019 im Hospitalhof Stuttgart

Mittwoch, 11. Juli 2018

Back to Reality

Grauen. Haft.

Neulich bei der Schneiderin.


Warum mich ein kleiner Dialog aus der Fassung bringt und nachhaltig niederdrückt.

Die Situation. 

Am Samstag brachte ich drei Hosen zur Änderungsschneiderei. Mein jüngster Sohn begleitete mich. Nachdem alle Hosen mit den jeweils richtigen Schuhen anprobiert und zum Kürzen markiert waren, füllte die Schneiderin den Abholschein aus - und musterte mich erneut eingehend. Ein Dialog ergab sich:

Sie: "Haben Sie zugenommen?"
Ich: "Ja."
Sie: "Wieviel haben Sie zugenommen? Was ist passiert?"
Ich: "Ähm."
Sie: "Sie waren doch schon öfter bei mir. Aber, nein, sowas..."

Wir nehmen unsere Fahrradhelme und gehen, also, ich flüchte. Kaum vor der Tür, stellt mir mein Sohn folgende Frage:
Malte: "Warum fragt die dich, ob du zugnommen hast?"
Ich: "Naja, ein wenig stimmt das ja."
Malte: "Du machst drei mal in der Woche Sport. Hör' auf zu labern. Das sind Muskeln."

Mit seiner Wortwahl bin ich nicht ganz einverstanden, doch in der Sache ist Malte in diesem Moment das Beste, was mir passieren kann. Er ist sich der Hintergründe nicht bewusst; er sieht mich nur so, wie ich bin, und versteht das alles eigentlich nicht, weil er gar kein Problem mit meinem Aussehen hat. Aber, er spürt meine Betroffenheit und erkennt, dass für mich eine Grenze überschritten wurde. So eine triviale, unwichtige Situation wiegt für mich schwer. Malte hilft mir mit seiner offenen Ernsthaftigkeit durch den Moment.

Meine Reaktion. 

Ich fühle mich eh' beschissen mit meiner Figur. Für mich stellt sich die folgende Frage: Wie gehe ich jetzt damit um, dass mir von Außen so geradeheraus bestätigt wird, was ich weiß und was mein größter Horror ist? Ich habe zugenommen. Und zwar so viel, dass es auffällt. Nicht nur mir, sondern fremden Personen, quasi der ganzen Welt. Zunehmen ist scheiße, bedeutet Versagen. So denke ich und das Außen auch. Ich fühle mich ertappt, darum trifft mich diese unbedachte Aussage wie ein Hammer mitten ins Herz. Schließlich weiß ich genau, wo die Kilos herkommen: Zu viel Alkohol, zu viel Kuchen und Schokolade, zu viel Brot mit Butter und Käse. Ohne Kotzen bleibt alles im Körper und wandert als Fettrolle auf den Bauch. Total klar. Wenn es doch bloß einfacher wäre, dagegen anzugehen.

Sofort denke ich über Lösungsmöglichkeiten nach:
  1. Reaktion: Nahrungsaufnahme einstellen.
    Hm. Schaffe ich sowieso nicht.
  2. Reaktion: Kotzen.
    Blöde Idee. Schließlich habe ich mühsam mit dem Erbrechen aufgehört bzw. bin noch dabei. Aber es wäre so einfach, wieder anzufangen. Raus, raus, raus mit dem schlechten Essen. Allerdings: Dauerhaft wieder Fressen und Kotzen? Keine Option. Hallo, Logik, Verstand, wo seid ihr?
  3. Reaktion: Totale Verzweiflung.
    Wie schon am Mittwoch beim Sport, als der schwere Körper dem schnellen Kopf nicht hinterher kam und schnaufend fast zusammenbrach. Aber nur fast.

Und jetzt? 

Heute kann ich die Hosen abholen, doch ich war noch nicht dort. Ich traue mich nicht hinein. Ich spüre, dass die Tränen wieder näher unter der Oberfläche sitzen. Um mich herum gestählte Mama-Körper und ICH schaffe es nicht mal, irgendein Gewicht zu halten...

Schade, eigentlich wollte ich über die Aussage schreiben: "Puh, ich bin noch satt. Ich kann noch nicht wieder was essen." Eigentlich wollte ich stolz sein auf mich. Nach dieser Begegnung mit der Realität fällt mir das wieder schwer.

Dennoch: Es ist früher Abend, später gehe ich zum Sport und will versuchen, bei mir zu bleiben. Ich habe ausgewogen gegessen, hoffe auf ausreichend gesunde Energie für den langen Lauf durch den Wald. Ich will mich innerlich stark machen und dran bleiben. Am Sport und am Essenlernen. Ohne Kotzen.

Ergänzung: Donnerstag, 12.07.2018 
Über das Zunehmen habe ich schon einmal im gleichnamigen Post geschrieben. Ich erschrecke selbst, wieviel Raum dieses Thema einnimmt. Für mich ist es (leider) nach wie vor Quelle des Unglücks, ganz existentiell. 

Ergänzung: Donnerstag, 11.10.2018
Im Zwischenruf erzähle ich von einer ähnlich grenzüberschreitenden Situation, über die ich mir im Nachgang noch viele Gedanken gemacht habe.

Sonntag, 27. Mai 2018

Total verzerrte Wahrnehmung

Weglaufen geht nicht - Auseinandersetzung muss sein.


Im Spiegel sehe ich eine Frau mit einem schönen, schmalen Gesicht, mit kurzen dunklen Haaren, die von grauen Reflexen durchzogen sind. Eine etwas krumme Nase hat sie mit einem kleinen Piercing. Und diese Augen - so dunkel und intensiv. Bin ich das? Ja, das bin ich. Nur der Teil abwärts vom Hals schien mir immer total falsch, den wollte ich nicht. Das ändert sich langsam. 

Der Spiegel offenbart meine Körperschemastörung.

Den Blick in den Spiegel habe ich immer vermieden; in meinem Haus gibt es erst seit meinem 1. Klinikaufenthalt vor 3 Jahren eine Ganzkörperansicht. Trotzdem habe ich unzählige Stunden schon als Mädchen und junge Frau vor  Spiegeln oder Fensterscheiben verbracht: mit puberärem oder durchtrainiertem
Traumhaft: Barbieland.
Bauch, mit wenig und später
mit schwangerem Bauch, auch mit stolz-weil-dürr-Bauch. Dann in magerem Zustand ganz ohne Bauch oder jetzt mit weichem Speck-Bauch. Nie hat der Spiegel gezeigt, was ich so dringend sehen wollte: Einen perfekten, dünnen, wohlgeformten, strahlend schönen und makellosen Körper. Weiblich, sexy, jedoch bitte ohne Brust und Hüfte und Schenkel, ohne jede Delle oder Welle. Wie sehr sich das gegenseitig ausschließt... Und egal, wie dünn ich war, ich war nie dünn genug, sondern im Spiegel immer fett. Willkommen im Denken und Fühlen meiner verzerrten Selbstwahrnehmung!

Sonntag, 20. Mai 2018

Über das Zunehmen

Vive le moment.

Die Sache mit dem Gewicht


Bei meiner Essstörung geht es nicht nur ums Gewicht, aber zu einem wesentlichen Teil. Die Zahl auf der Waage manifestiert Sieg oder Versagen. Und dahinter steckt immer: Was werden nur die anderen denken? Bestehe ich ihrem kritischen Blick? 

Das Äußere ist existenziell.

Ich. 2014.
Egal, was mein wunderbarer Therapeut sagt. Seine Worte: "Es geht doch um den Menschen dahinter!" verklingen unverstanden. Beziehungsweise meine Vernunft lässt das Argument ausschließlich für andere gelten. Nicht für mich. So fahre ich mit sehr gemischten Gefühlen zu einem großen Familienfest in Deutschlands Norden. Vielen der Gäste bin ich seit Monaten oder gar Jahren nicht begegnet. Was werden die wohl denken, wenn sie mich so sehen? Ich wiege gute 15+ Kilo mehr als vor ein paar Jahren noch. Die Vorfreude auf das Wiedersehen verblasst deutlich angesichts meiner Angst vor den vermutlich bissigen und gehässigen Gedanken, möglicherweise gar Kommentaren, der Familie. Und diese Angst ist nicht ganz unbegründet, fußt sie doch auf eigener, bitterer Erfahrung. Außerdem habe ich inzwischen mitgelitten und der Dokumentation "Embrace" entnommen, welch' boshaften Anfeindungen die Autorin auf Grund ihres Aussehens ausgesetzt war (ist?). Ganz und gar unglaublich. Hinzu kommen meine eigenen vernichtenden Gedanken über mein Aussehen. Für mich kommt es anders: Das Fest wird ein großer Spaß, ich durchtanze die Nacht - und bekomme Komplimente. Unerwartet schön, dieses Gefühl, ich kann die Aufmerksamkeit des Außen annehmen. Das ist neu für mich. "Vive le moment", sogar in füllig!

Freitag, 30. März 2018

Auf dem (Frauenkreuz)Weg

Mitgestalten und Abladen


Wie mich Zufälle und Fügungen den Evangelischen Frauen in Württemberg nahe bringen und worin es (zunächst) mündet.

Abschied.

Die letzten beiden Wochen waren in meinen Gedanken und Gefühlen völlig überdeckt vom Tod meiner Freundin Kirsten. Dieser Verlust erscheint so ungerecht und fürchterlich, dass mir die Worte fehlen. Wie kann mein Herz nur derart unvorbereitet sein, obwohl der Verstand im Vorfeld Zeit genug fürs Begreifen hatte? Alles in mir wehrt sich gegen das Verstehen!

Entwicklung.

Letzten Sommer hatte ich ein Seminar besucht, dort Zeit zum inspirierenden Gespräch zwischen den Schulungsblöcken gefunden, Ideen gesponnen: Ich wollte mitmachen beim ökumenischen Frauenkreuzweg in Stuttgart. Ich war auf einen Zug aufgesprungen, der nun für mich viel zu schnell fuhr. Auf einmal werde ich gebeten zu liefern, muss mich nackig machen vor der Öffentlichkeit, bekomme Angst vor meinem eigenen (Über-)Mut.

Auf dem Frauenkreuzweg, auf dem Weg.

Und jetzt ist es wieder soweit, es wird Ostern. Völlig verdrängt, passt das Fest plötzlich zu mir und zu meiner Stimmung. Denn zunächst ist heute Karfreitag. Ich begebe mich also auf meinen ersten Frauenkreuzweg. Jesus ist am Kreuz gestorben, auch für mich. Auch für mich? Gar nicht so sattelfest im Glauben, habe ich viele Fragen. Ich fühle mich getragen von den Frauen und Männern um mich herum, von der Musik, so dass ich mich trauen kann, vorzutragen, was ich zu sagen habe. 

Hinterher.

Ich komme nach Hause, brauche zuvor den Cappuccino im Café und die Fahrt in der U-Bahn zum Sammeln und Nachdenken. Zwei Stunden zuhörend und schweigend Unterwegssein durch die Stadt mit Ziel und Abschluss in der Hospitalkirche hinterlassen Eindruck. Ich fühle mich sortierter, ruhiger. Ich glaube, ich habe eine ganze Menge Ballast in der Hospitalkirche gelassen. Mir kommen die Tränen, so Vieles ist abzuladen. Es ist nicht alles gut. Doch es wird Ostern, auch für mich.

Mein Vortragstext zum Nachlesen: Station 3, Essstörungen.

Ort: Marktplatz/Ecke Schulstraße

„Mama, toll, Du hast wieder Nutella gekauft!!“

Dienstag, 9. Januar 2018

Andere Blickweise

Bankgeheimnis anders.

Mensch, bin ich empfindlich.


Warum mich ein Seminarbesuch am Wochenende nicht nur bereichert, sondern auch erschüttert.

Der Hospitalhof in Stuttgart...

...ist für mich ein wunderbarer Ort. Ich mochte die Gegend schon immer, doch nach dem vorsichtigen Umbau vor einigen Jahren ist das Hospitalviertel noch schöner, noch offener, noch einladender geworden. Insbesondere der Raum um und in der Hospitalkirche bzw. dem Hospitalhof gefällt mir sehr. Es gibt Vieles auf den 2. Blick zu entdecken. Ich komme dort zur Ruhe.

Von der Familie befreit...

...habe ich ein Feldenkrais-Seminar besucht, zwei Tage nur für mich, zwei Tage etwas Neues kennen lernen.

Sonntag, 24. Dezember 2017

Schlüsselsätze: Standards einhalten

Ins Tun kommen: Regeln befolgen, Standards einhalten, einfach nur ins Tun kommen!

Darüber habe ich schon geschrieben - im Hinblick auf die körperliche Aktivierung. Natürlich gilt dieser Schlüsselsatz insbesondere auch für den Umgang mit dem Essen, täglich, bei jeder Mahlzeit, in jeder Essens-Situation.

Ins Tun kommen...

Verführung im Büro.
... ist immer noch oder immer wieder verdammt schwer für mich. Aber ich will es versuchen. Nach meinem erneuten Erbrechen umso mehr. Ich habe diesbezüglich viele Baustellen. Als stille Meisterin der Vermeidung kenne ich natürlich meine Wege, diese Baustellen zu umgehen. Alles nur Umwege. Ich muss dahin, wo die Angst ist. Noch so ein Schlüsselsatz.

Dienstag, 12. Dezember 2017

So überraschend

In den Spiegel geschaut


Bei der Volkshochschule habe ich einen Einsteiger-Kurs "Fitness-Boxen" belegt: 4 Termine, jeweils sonntags vormittags für 2 Stunden. Perfekt zum Schnuppern, dachte ich.

Warum ausgerechnet Boxen?

Ich wollte das schon immer mal ausprobieren! In der Klinik habe ich einen Trommelkurs belegt. Himmel, das geht ja gar nicht: Mein fehlendes Rhythmusgefühl macht jeden Trommel-Termin zum Kraftakt. Kein Medium für mich. Da ich mir ein Hobby suchen möchte, da ich lernen will, meine Wut heraus zu lassen, da Boxen die allgemeine Fitness verbessern soll, wage ich also einen Versuch. Schön übersichtliche 4 Sonntage, vermutlich nettes, nicht allzu gestyltes Publikum, Bewegung, hoffentlich auspowern.

Zeit für eine Pause

Umbrüche. Abschiede. Ich ziehe mich zurück, der Blog macht Pause. Gründe dafür gibt es viele, der Wichtigste: Mit dem Essen komme ich zurech...